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Montag, 8. Juni 2009

Neue Datenschutz-Katastrophe für die Deutsche Telekom? Hacker behaupten, sie hätten alle Daten (alle) der US-T-Mobile-Tochter klauen können

Hackers claim T-Mobile scalp (The Register)

Zitat:

Hackers claim to have stolen all T-Mobile US's corporate data, customer accounts, network infrastructure - the whole lot.

According to emails from "pwnmobile": "We have everything, their databases, confidental documents, scripts and programs from their servers, financial documents up to 2009." (Quelle: TheRegister.co.uk)

Da die Telekom das angebliche Opfer des eventuell größten Hacks aller Zeiten ist, erscheinen die Aussagen der Hacker zunächst einmal als glaubwürdig, denn der Deutschen Telekom muss man jedes Ausmaß von Inkompetenz zutrauen. Vor allem beim Thema "Datenschutz". Das lehrt bekanntlich die jüngste Erfahrung in Deutschland.

Montag, 18. Mai 2009

Deutsche Telekom soll ebenfalls Bankdaten ausgespäht haben

Noch mehr Überwachung: Telekom spähte auch Bankdaten aus (Taz.de)

Wie bei der Deutschen Bahn steht nun auch bei der Deutschen Telekom der durch Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft begründete Verdacht im Raum, dass auch Bankdaten von Mitarbeitern, Angehörigen und Dritten überwacht wurden. Wie umfangreich und ob auch tatsächliche Kontobewegungen überwacht wurden, also es tatsächlich auch Einblicke in Kontostand und Überweisungen gab, ist der Presse anscheinend noch nicht bekannt.

Und mir ist nicht bekannt, warum das Handelsblatt seine exklusive Meldung online nicht prominenter platziert, sondern nur diesen wenig informativen Kasten bringt (weshalb ich hier auch zur Taz verlinke).

Samstag, 16. Mai 2009

Neue Dimension in Telekom-Spitzelaffäre: Telekom soll Verbindungsdaten von Kunden auch an Lufthansa weitergegeben haben

Telekom-Affäre: Zumwinkel und Ricke frühzeitig über Spitzeleien informiert (Spiegel.de)

Zumwinkel und Ricke sollen bereits im Herbst 2005 von der Verwendung und Auswertung von Verbindungsdaten von Telekom-Kunden zur Bespitzelung gewusst haben.

In der Spiegel.de-Meldung steckt aber noch eine kleine Information, die die Telekom-Affäre noch einmal in eine gänzlich neue Dimension des Datenmissbrauchs katapultiert:

Zitat:

Außerdem soll die Telekom im Jahr 2000 auch Verbindungsdaten an die Lufthansa geliefert haben, mit denen ein Kontakt zwischen einem Aufsichtsrat der Fluggesellschaft und einem Journalisten belegt werden sollte. (Quelle: Spiegel.de)

Die Telekom könnte also die ihr anvertrauten, empfindlichen Verbindungsdaten ihrer zahlenden Kundschaft auch an andere Unternehmen weitergegeben haben. Wohlgemerkt: Nicht einfach nur Adressdaten von Kunden, sondern Daten über intimste Bereiche des Lebens der Telekomkunden, nämlich wann Kunden mit wem wie lange und wie oft und eventuell sogar von wo aus telefoniert haben.

Nachtrag: Die Lufthansa dementiert entschieden, Daten von der Telekom angefordert oder erhalten zu haben: Lufthansa dementiert Daten-Deal mit Telekom (Heise.de)

Bleibt die Frage, woher die Idee kommt, die Telekom habe doch Verbindungsdaten von Telekom-Kunden an die Lufthansa geliefert. Hat da jemand einfach halluziniert? Unwahrscheinlich.

Donnerstag, 2. April 2009

Verdacht: Schwere Rechtsverstöße von BKA und Verfassungsschutz: Plünderung von Telekomdaten über Jahre ohne richterliche Beschlüsse

Bundeskriminalamt: Rasterfahndung mit Telekom-Kundendaten (Frankfurter Rundschau)

Zitat:

Lange gingen Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz in der Telekom ein und aus, beklagen die Insider. Informationen würden oft auf dem kleinen Dienstweg beschafft - ohne schriftliche Verfügungen oder Richter-Beschlüsse. "Amtshilfe", werde dann gemurmelt - und die ehemaligen Beamten bei der Telekom widersetzten sich selten einem solchen Ansinnen.

Die Folge sei eine massive Aushöhlung des Fernmeldegeheimnisses durch die Ermittlungsbehörden, hieß es schon des öfteren aus der Telekom. Im Bereich der Strafverfolgung habe der Hunger der Ermittler nach Verbindungsdaten stark zugenommen und schon längst verfassungswidrige Ausmaße angenommen. (Quelle: FR-Online.de)

Das wird jetzt interessant wie die deutsche Öffentlichkeit mit diesem heraufdämmernden Skandal umgehen wird. In den USA endete ein ähnlich skandalöses Verhalten von FBI und NSA damit, dass die Zusammenarbeit der Telekommunikationsfirmen mit FBI und NSA im Nachhinein durch ein in die Vergangenheit zurückwirkendes (!) Gesetz für nicht strafbar erklärt wurde.

Die erste Frage wäre: Wird der Skandal überhaupt von den Medien aufgenommen? Die nächste Frage wäre, ob es Schäuble und Co. schaffen, die Vorwürfe mit wenigen Worten kleinzureden. Dann: Lassen sich die Medien auf die Abwiegelungen ein? Wenn nicht: Wird es Untersuchungsausschüsse geben? Vor der Wahl? Unwahrscheinlich. Und selbst wenn: Untersuchungsausschüsse werden wenig helfen, eindeutiges Fehlverhalten von Verfassungsschutz und BKA festzustellen. Die wissen schon, wie sie das verhindern. Mit der Union wird es sicherlich auch keine Gesetze geben, die den Datenschutz stärken, denn bekanntlich ziehen in der Union Schäuble und seine Baden-Württemberger Kreise die Strippen. Fazit: Es wird etwas Aufregung geben, keine Aufklärung, keine persönlichen Konsequenzen, keine neuen Gesetze und bei den Medien wird das Thema in maximal drei Wochen tot sein.

Und die Leute werden weiterhin Kunden bei der Telekom bleiben. Man kennt es nicht anders. Der Staat ist kein Verbrecher. Die Sonne scheint magentafarben. Und wir leben alle ewig.

Also, BKA und Verfassungsschutz: Bitte weiter machen!

Mal sehen, wie lange es braucht, bis es auch klare Verdachtsmomente gegen deutsche Banken und Sparkassen gibt, illegal mit den staatlichen Behörden zusammengearbeitet zu haben. Ähnlich wie bei der Zusammenarbeit von Telekommunikationsfirmen wie AT&T mit Polizei (FBI) und Geheimdiensten (NSA) gab es auch dazu ebenfalls in den USA schon erste Verdächtigungen. Bislang aber auch in diesem Fall ohne jede Konsequenzen. Ohne ein Verschwörungsspinner zu sein, muss man allein aus dem, was man als normaler Bürger beobachten kann, die traurige Schlussfolgerung ziehen, dass die Geheimdienste - trotz Demokratie und Gewaltenteilung - wissen, wie sie die Öffentlichkeit lenken und die Schlüsselfiguren in Politik und Medien unter Druck setzen können.

Nachtrag: Tagesschau.de meldet, dass die Telekom nicht Kundendaten an BKA und Verfassungsschutz weitergegeben habe, sondern "nur" Mitarbeiterdaten: Telekom übergab Mitarbeiterdaten an das BKA.

Zitat:
Nach Erkenntnissen des ARD-Hauptstadtstudios galt die Telekom nach den Terroranschlägen in den USA als gefährdeter Betrieb für terroristische Anschläge. Deshalb habe das BKA Daten der Mitarbeiter auf Verbindungen in die islamistische Szene überprüft. (Quelle: Tagesschau.de)

Der Tagesschau.de-Artikel suggeriert für mich eindeutig, dass damit der Vorwurf, die Telekom habe darüber hinaus auch Kundendaten ohne richterliche Genehmigung an BKA und Verfassungsschutz weitergegeben, quasi entkräftet sei. Was natürlich falsch ist. Dass die Telekom auch Mitarbeiterdaten an BKA und Verfassungsschutz weitergegeben hat, sagt nichts darüber aus, ob sie auch Kundendaten weitergegeben hat.

Ich vermute, dass die Medien sich jedoch mit diesem Dreh der Story zufrieden geben werden. Darauf deutet auch hin, dass in den meisten Medien nur über die womöglich illegale Rasterfahndung berichtet wird, nicht aber über den Verdacht, dass darüber hinaus auch weiter und wiederholt die Sicherheitsbehörden ohne richterlichen Beschluss (was ja der eigentliche Skandal ist!) die Telekom quasi zur Herausgabe von Daten erpresst haben sollen.

Fazit: Die Story stirbt, bevor sie überhaupt genauere Beachtung, Prüfung und Betrachtung fand. Die ZDF-Heute-Sendung von heute 19 Uhr schloss ihre Kurz-Meldung über den Verdacht mit den Worten, dass das BKA nun alles genau prüfen wolle. Na, dann ist ja gut. *LOL* Und die ARD-Tagesschau berichtete in der 20-Uhr-Ausgabe überhaupt nicht.

Faszinierend.

Dienstag, 3. Februar 2009

Verdacht nach Datenskandal bei Bahn und Telekom: Detekteien als kriminelle Handlanger und Nutznießer mafiöser Machenschaften in deutschen Firmen

Mehdorns Spitzel-Bude (Frankfurter Rundschau)

Ausschnitt:

Die zentrale Rolle in den großen Datenskandalen bei Bahn und Telekom spielt eine kleine Firma in Berlin-Charlottenburg: Nur sechs Mitarbeiter hatte Network Deutschland - und bekam von den beiden Konzernen doch riesige Datenmengen anvertraut. Ohne schriftliche Aufträge, ohne klare Beschreibung der Aufgaben. [...]

Bezüglich der Umsetzung dieser Aufträge wurden selten Vorgaben gemacht, heißt es im Untersuchungsbericht der Datenschützer, der der FR vorliegt. "Insofern kann die Deutsche Bahn AG nicht ausschließen, dass die Network Deutschland GmbH auch Telefonverbindungen, Bank- und Steuerdaten ausgewertet hat", heißt es im Bericht. [...]

Hat Network die Daten der Konzerne eventuell wechselseitig ergänzend benutzt? [...]

Bahn und Telekom wollten nicht einmal wissen, ob Kühn Informationen an andere Firmen weitergab. (Quelle: FR-Online.de)

Endlich mal ein Journalist, der die richtigen Fragen stellt.

Und am Ende des Artikels noch so ein Hammer: Die Detektei verglich Textproben aus den von der Bahn gesammelten E-Mails ihrer Mitarbeiter und auf Grund eines Schreibstilvergleichs wurde anschließend ein Bahn-Mitarbeiter gefeuert, weil er im Verdacht stand, Mehdorn angezeigt zu haben.

Mittwoch, 28. Januar 2009

Telekom beweist erneut ihre absolute Unprofessionalität mit neuem, haarsträubendem Datenleck

Kundendaten: Neues Datenleck bei der Telekom (Stern.de)

Ausschnitt:

Bis zum vergangenen Freitag war es jedem Internetnutzer tagelang relativ einfach möglich, Hunderte von Neukundendaten abzurufen. [...]

Wer nun in der Adresszeile eine höhere oder niedrigere Auftragsnummer eintippte, kam wieder auf einen Anmeldebogen - nur mit den Daten anderer Kunden. (Quelle: Stern.de)

Dieser spezielle Fehler, diese Art von Fehler, den die Telekom da beim Datenschutz gemacht hat, ist so unentschuldbar und so haarsträubend und mit Nichts, aber auch wirklich rein Garnichts zu rechtfertigen. Diese Art Fehler zeugt von einem Niveau der Unbedarftheit und Unprofessionalität, das kaum mehr zu unterbieten ist. Das ist wirklich auf dem selben Niveau, wie wenn ein Autohersteller vergisst in seine Modelle Bremsen einzubauen. Man kann deshalb nur allerdringendst davor warnen, irgendwelche Dienstleistungen dieser Firma in Anspruch zu nehmen.

Leider wird so etwas immer und immer und immer wieder vorkommen, bis es in Deutschland endlich harte Strafen für Firmen gibt, die beim Datenschutz derart unseriös agieren wie die Deutsche Telekom.

Dienstag, 20. Januar 2009

"Report Mainz": Telekom versuchte riesige Datenschutzverletzungen zunächst zu verschleiern; Obermann lüge

Neue schwere Vorwürfe in der Telekom-Bespitzelungsaffäre (ARD, "Report Mainz")

Ausschnitt:

Dem Fernsehmagazin liegen umfangreiche, vertrauliche und sogar streng vertrauliche Unterlagen über die konzerninterne Aufarbeitung des Skandals vor. [...]

Angesichts der Aktenlage bezeichnet Frank Bsirske die damalige Aussage des Telekom Chefs als Lüge: "Nach allem, was wir wissen, entspricht das nicht der Wahrheit. Nach allem was wir wissen, ist der Vorstand seit September 2007 über den Vorgang umfänglich informiert gewesen. In dieser Situation, ein halbes Jahr später zu behaupten, man hätte erst seit einem Monat von dem Vorgang Kenntnis, das ist gelogen." [...]

Aus den REPORT MAINZ vorliegenden Akten geht außerdem hervor, dass bereits im September 2007 feststand, dass weitere konzerninterne Ermittlungen über strafrechtlich relevante Sachverhalte "keinen wesentlichen Erkenntniszuwachs" erwarten lassen. Die Staatsanwaltschaft Bonn aber wurde seitens der Telekom erst im Mai 2008 eingeschaltet. [...]

Gerhart Baum, kritisiert das Verhalten der Telekom: "Man hätte die Staatsanwaltschaft früher informieren müssen. Dazu gab es keine Rechtspflicht. Aber ich hätte es im Eigeninteresse gemacht. Wenn die Telekom sagt, sie hätte Schaden vom Unternehmen abwenden wollen, was ja ein Argument ist, so kann man nur sagen, der Schaden ist durch die Nichtinformation der Staatsanwaltschaft eigentlich noch sehr viel größer geworden. [...]"[...]

Auch das von der Telekom eingeleitete Disziplinarverfahren gegen die Schlüsselfigur des Ausspähskandals, dem inzwischen verhafteten Klaus-Dieter Trzeschan, sorgt für Kritik. [...] "Es ist völlig unverständlich, dass Herr Trzeschan nur mit einem Verweis diszipliniert worden ist. Das steht in gar keinem Verhältnis zur Schwere des Vergehens. [...]" (Quelle: SWR.de/Report)

Montag, 22. Dezember 2008

Neue Hinweise, dass Spitzelkom-Konzernspitze umfangreiche Überwachung von Mitarbeitern und Gewerkschaften angeordnet hat

Telekom-Führung soll Bespitzelung angeordnet haben (Spiegel.de)

Ausschnitt:

Der damalige Chef der Telekom Chart zeigen, Kai-Uwe Ricke, und der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Zumwinkel sollen die Überwachung von Mitarbeitern und Gewerkschaftern selbst angeordnet haben. Wie das ARD-Magazin "Report Mainz" berichtet, verfügt es über interne Akten der Telekom, darunter streng vertrauliche Aufsichtsrats- und Befragungsprotokolle sowie internen Mailverkehr bis in die Konzernspitze.

Danach habe der vor kurzem verhaftete Hauptverdächtige des Spitzelskandals auf Anweisung von Ricke und Zumwinkel gehandelt, um eine undichte Stelle im Konzern zu finden. Diese Aktion sei dann über Jahre systematisch und großflächig realisiert worden. (Quelle: Spiegel.de)

Ach nein, wie überraschend.

Das Video des Beitrages von "Report Mainz".

Freitag, 19. Dezember 2008

Staatsanwaltschaft untersucht, inwieweit Spitzelkom auf Kundendaten anderer Telekomfirmen zugegriffen hat

Spitzelskandal: Bei der Telekom tun sich neue Abgründe auf (Focus.de)

Ausschnitt:

Die Konzernsicherheit konnte nicht nur auf die Verbindungsdaten der Telekom selbst zugreifen, sondern auch auf die aller anderen Telefongesellschaften und Mobilfunkbetreiber, die in Deutschland tätig sind. Das berichtete die "Wirtschaftswoche" am Freitag unter Berufung auf den Telekom-Sicherheitsbevollmächtigten Thomas Königshofen. (Quelle: Focus.de)

Das war aber schon länger bekannt. Neu scheint zu sein, dass die Staatsanwaltschaft jetzt dieses Abgreifen der Verbindungsdaten von Nicht-Telekom-Kunden anfängt aufzuarbeiten. Die Staatsanwälte haben halt einen riesigen Schmutzberg vor sich, den sie da bearbeiten müssen. Am besten wäre es, wenn man diesen ekelhaften Laden namens Deutsche Telekom sofort zu machen würde.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Spitzelkom: Ehemaliger Leiter der Konzernabteilung für interne Ermittlungen verhaftet

Spionageskandal: Ex-Spitzel der Telekom verhaftet (Spiegel.de)

Ausschnitt:

Nach SPIEGEL-Informationen wurde der ehemalige Leiter der Konzernabteilung für interne Ermittlungen in Haft genommen. Grund war akute Fluchtgefahr. Ihm wird die Ausspähung von Managern, Gewerkschaftern und Journalisten vorgeworfen. [...]

Zeugen geben an, dass Trzeschan unter Umgehung des normalen Dienstwegs zudem Zugang zu Vorstandsmitgliedern und zum Telekom-Aufsichtsratschef Zumwinkel hatte und von diesem direkten Draht auch Gebrauch machte.

Um die offensichtlich gängige Praxis zu legitimieren, wurde im Dezember 2005 sogar der Geschäftsverteilungsplan der Sonderermittlungseinheit KS 3 geändert. Unter Ziffer 2 wurde ausdrücklich festgeschrieben, dass nicht nur der Vorstandsvorsitzende, sondern auch der Aufsichtsratschef der Sondertruppe Aufträge erteilen kann.

Und offenbar wurde das Überwachungssystem ständig verfeinert. So dachte die Telekom sogar daran, bezahlte Vertrauenspersonen in der Nähe von Journalisten zu plazieren, um so herauszufinden, welche Informationsquellen sie benutzen. (Quelle: Spiegel.de)

Freitag, 28. November 2008

Verdacht erhärtet sich: Deutsche Telekom könnte Gesprächsinhalte von Gewerkschaftern belauscht haben

Deutsche Telekom: Haben die Spitzel auch gelauscht? (Frankfurter Rundschau)

Ausschnitt:

Beim Abgleich der Überwachungszeiträume falle auf, dass diese sich oft exakt mit der Vorbereitung von Arbeitskämpfen und anderen gewerkschaftlichen Aktivitäten decken, heißt es aus Konzernkreisen. Urlaubszeiten von Betriebsräten seien dagegen nicht überwacht worden. Kaum waren die Gewerkschafter wieder aktiv, wurde ihr gesamtes Umfeld ausgespäht. [...]

Bei der Telekom glaubt kaum einer noch an die Entlastungs-Geschichte von durchgeknallten Einzeltätern in der Sicherheitsabteilung, die selbsttätig zu spionieren begannen. (Quelle: FR-Online.de)

Wenn das keine Einzeltäter waren, muss dann nicht von "organisierter Kriminalität" gesprochen werden? Sind dann die Telekom-Mitarbeiter nicht automatisch Mitglieder einer kriminellen Vereinigung? Müssen dann nicht sofort Strafverfahren gegen alle Mitarbeiter der Telekom eingeleitet werden? Das ist zumindest das, was ich aus meiner Beobachtung der Behandlung der deutschen Staatsanwaltschaften mit kriminellen Organisationen ableiten würde.

Tja, und eine solche kriminelle Organisation speichert und verwaltet weiterhin - gesetzlich neuerdings ja vorgeschrieben - über sechs Monate die Verbindungsdaten von Millionen von Kunden und darf weiterhin an sensibelsten IT-Projekten Deutschlands teilnehmen.

Donnerstag, 20. November 2008

Deutsche Telekom spitzelte umfassend Menschen aus - Viele fragen sich, was dieser Konzern sonst noch so getrieben hat

Spitzel-Affäre bringt Obermann in Not (Frankfurter Rundschau)

Ausschnitt:

60 Menschen sollen nach Angaben der Behörde ausgespäht worden sein, darunter auch konzernfremde Personen und selbst Kinder von Aufsichtsräten. [...]

In Gewerkschaftskreisen wird inzwischen Böses vermutet: Nicht nur Verbindungsdaten seien ausgewertet worden, sondern die Telekom hat möglicherweise auch Telefonate direkt abgehört. (Quelle: FR-Online.de)

Ob letztlich auch Gespräche abgehört wurden oder nicht spielt eigentlich kaum noch eine Rolle. Das kriminelle Treiben innerhalb dieses Konzerns ist eh schon groß genug, um jegliches Vertrauen in diesen Konzern verloren zu haben. Und Journalisten sollten sich womöglich hüten, öffentlich oder im Freundeskreis bekannt zu geben, dass sie ihren Telekom-Anschluss immer noch nicht gekündigt haben. Schiefes Ansehen könnte die Folge sein.

Seltsam auch, dass die Telekom immer noch bei öffentlichen Aufträgen mitmischen kann.

Sonntag, 26. Oktober 2008

Telekom-Datenskandal heute: Auch Mitarbeiter wurden ausspioniert

Telekom bespitzelte auch eigene Mitarbeiter (Spiegel.de)

Das Übliche halt. Nur insofern schlimmer, als Mitarbeiter ja nicht so einfach ihren Arbeitgeber wechseln können wie Kunden ihren Telekommunikationsanbieter.

Was hier auch wieder sichtbar wird: Es scheint bei der Telekom überhaupt gar keine wirksamen Strukturen oder Mechanismen oder Vorschriften gegeben zu haben, den Zugriff auf die Verbindungsdaten durch x-beliebige Mitarbeiter zumindest zu erschweren. Das alles ist kein Versehen, kein einmaliger Fehler, kein Ausrutscher. Da muss ein völlig anderes Bewusstsein in diesen Konzern einziehen.

Einem internen Untersuchungsbericht zufolge überwachte der Konzern nicht nur Aufsichtsräte und Journalisten - sondern auch seine eigenen Mitarbeiter. (Quelle: Spiegel.de)

Samstag, 11. Oktober 2008

Heutiger wöchentlicher Telekom-Datenskandal: Alle Bankverbindungsdaten aller T-Mobile-Kunden waren weltweit leicht einsehbar und änderbar

Millionen Kontodaten von T-Mobile-Kunden waren manipulierbar (Spiegel.de)

Ne, was für eine Überraschung! Nun stellt sich heraus, dass nicht nur die Telefonnummern, Adressdaten und E-Mail-Adressen von T-Mobile-Kunden überall kursierten, nein auch die Bankverbindungsdaten konnten einfach durch Unbefugte eingesehen und sogar geändert werden. Alle Daten aller 30 Millionen Kunden waren anscheinend mit dem gleichen kleinen Passwort geschützt, das beispielsweise alle Telekom-Kundenbetreuer kannten und so natürlich längst in Hacker-Kreisen zirkulierte. Ohne weitere Sicherheits-Abfragen konnte jeder, der dieses Passwort kannte, weltweit zugreifen auf alle Kundendaten und neue Überweisungsaufträge bei fremden Kundenkonten installieren oder gar SIM-Karten sperren.

Das ist schon keine Fahrlässigkeit mehr von Seiten der Telekom. Da muss man eher annehmen, dass der ganze Konzern längst von Hackern übernommen wurde und Obermann und Co. ebenfalls zu diesen Hacker-Kreisen gehören. Anders kann ich mir eine derartige Ignoranz gegenüber selbst den absolut simpelsten Datenschutzverfahren nicht erklären.

Sonntag, 28. September 2008

Verdacht: Deutsche Telekom bespitzelte umfassend Gewerkschaft Verdi

Brisanter Verdacht: Telekom könnte auch E-Mails von Ver.di ausgespäht haben (Spiegel.de)

Ausschnitt:

Nach SPIEGEL-Informationen hat die Sicherheitsabteilung der Telekom danach nahezu uneingeschränkten Zugriff auf "alle wesentlichen Daten" des Konzerns gehabt – offenbar inklusive des E-Mail-Verkehrs. Außerdem verfügte Ex-Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke bei einem Gespräch mit Arbeitnehmervertretern im Juli 2006 über Unterlagen, die nur vertraulich per E-Mail an Ver.di-Vertreter versandt worden waren. (Quelle: Spiegel.de)

Wetten, dass nur kleinere Angestellte der Telekom letztlich vor den Gerichten dafür zur Verantwortung gezogen werden?

Dienstag, 23. September 2008

Telekom überwachte auch DGB-Chef

DGB-Chef Opfer der Telekom-Spitzelaffäre (FTD.de)

Ausschnitt:

Der Skandal nimmt kein Ende. Michael Sommer sagte der FTD, Telekom-Chef Obermann habe ihn informiert, dass seine Telefonverbindungsdaten durchleuchtet worden seien. Entschuldigt habe sich Obermann nicht. (Quelle: FTD.de)

Ach, die Leute wollen doch überwacht werden. Jeder, der noch Kunde bei der Telekom ist, will doch im Grunde seines Herzens überwacht werden. Oder warum ist er sonst noch Kunde dieses ekelhaften Konzerns??

Sommer hat erkannt, dass Datenschutz kein überbewerteter Luxus ist, über den sich nur Leute Sorgen machen, die keine anderen Sorgen haben, sondern dass Datenschutz ein Grundpfeiler der Freiheit ist. So zitiert ihn FTD:
"Dadurch, dass meine Verbindungsdaten gespeichert wurden, kann auch festgestellt werden, ob und wann ich mit dem Bundeskanzler oder der Bundeskanzlerin, dem Vorsitzenden X oder dem Präsidenten Y telefoniert habe. Das ist ein Skandal, der nicht nur mich betrifft, sondern alle meine Gesprächspartner."

Die Spitzeleien seien eine schwere Belastung für die Mitbestimmung und die Sozialpartnerschaft. (Quelle: FTD.de)

Donnerstag, 10. Juli 2008

Deutsche Telekom mag keine anonyme Kommunikation

T-Mobile und die Terroristen (Lawblog.de)

T-Mobile lässt einen Konkurrenten abmahnen, der anonyme Prepaidkarten verkauft. T-Mobile begründet die Abmahnung unter anderem mit den Worten:

... durch die Veräußerung "anonymer SIM-Karten" missbräuchliches Verhalten, von belästigenden Telefonanrufen bis hin zur Vorbereitung terroristischer Handlungen, gefördert wird, wenn die Nutzer der SIM-Karten "anonym" bleiben. (Quelle: Lawblog.de)

Die Möglichkeit anonymer Kommunikation scheint man also bei der Deutschen Telekom als Abmahngrund zu begreifen. Da muss sich die Deutsche Post jetzt aber warm anziehen mit ihren zig tausenden von Briefkästen, über die auch anonyme Kommunikation möglich ist (zumindest auf Absender-Seite). Und wie ein Kommentar im Lawblog schon richtig fragt: Gibt es eigentlich noch Telefonzellen? Und ein anderer Kommentator mutmaßt, dass Terroristen vielleicht gar nicht angewiesen sind auf anonyme Prepaidkarten, da sie beim Kauf von "normalen" Prepaidkarten vielleicht falsche Angaben zu ihrer Person machen würden. Dazu kann ich nur sagen: nicht doch! Terroristen sind grundehrliche Leute! Die tun keinem was und lügen tun die schon gar nicht.

Dass die Deutsche Telekom, die ja viele Leute seit der jüngsten Datenschutzskandale bei dieser Firma nur noch "Spitzelkom" nennen, ein Problem mit anonymer Kommunikation hat, verwundert allerdings nicht.

Was für eine Firma...

Freitag, 20. Juni 2008

Telekom hörte offenbar Kunden ab: Eigentlich müsste Lizenz-Entzug drohen, eigentlich...

Telekom hörte Kunden ab (ZDF.de)

Neue Affäre: Telekom hörte Telefonkunden ab (Wirtschaftswoche)

Die Verdachtsmomente gegen die Telekom sind im ZDF- und Wirtschaftswoche-Artikel derart detailliert, dass ich persönlich keinen Zweifel habe, dass sie stimmen.

Staatsanwaltschaft, richterliche Genehmigungen? So etwas braucht die Deutsche Telekom anscheinend nicht. Die machen die Arbeit einfach selbst und zapfen offenbar die Leitungen ihrer Kunden an, sobald die Telekom meint, dass das für sie selbst irgendwie nützlich sein könnte. Scheiß-Konzern.

Ausschnitt:

Die Telekom hat in den 90ern Telefonate von Kunden aufzeichnen lassen und das Fernmeldegeheimnis verletzt. Der Verdacht ergibt sich aus internen Konzern-Unterlagen, die dem ZDF und der WirtschaftsWoche vorliegen. Die Telekom dementiert Mitschnitte. [...]

Bei Ermittlungen des Unternehmens gegen mutmaßliche Hacker, die einen Angriff auf die Computersysteme der Telekom verübt haben sollen, gab Vorstandsmitglied Hultzsch nach einem internen Vermerk grünes Licht, "Telefon-Anschlüsse auf Überwachung zu legen". Er tat dies bei einer Krisensitzung am Abend des 11. Dezember 1996. [...]

Bei den Maßnahmen, die bis zum 16. Dezember 17.29 Uhr liefen, sollen insgesamt knapp 120 Anrufe erfasst worden sein. Dabei wurden offenbar auch die Gesprächsinhalte technisch verfügbar gemacht. Am Freitag, den 13. Dezember, hatten Mitarbeiter der Telekom vergeblich versucht, die Überwachung abzuschalten. (Quelle: ZDF.de)


Und was machte die Regierung 1997 als sie über das Vorgehen der Telekom informiert wurde? Sie erkannten, dass die Telekom rechtswidrig gehandelt hatte, taten dann aber nichts weiter.

Die Telekom kann beruhigt leugnen. Es wird nichts passieren. Niemand wird zur Verantwortung gezogen werden. Vermutlich sind die Straftaten verjährt oder so.

Eigentlich müsste nun der Telekom die Lizenz entzogen werden und auch Strafverfahren gegen Mitglieder der damaligen Bundesregierung wegen Strafvereitelung eingeleitet werden. Aber dies wird natürlich nicht passieren. Auch politische Konsequenzen wird dies nicht haben. Es gibt einen Filz in diesem Land, der wird verhindern, dass es schärfere Strafbestimmungen und bessere Datenschutzkontrolle und unabhängigere Datenschützer und extremst besser ausgestattete Datenschützer geben wird.

Funktionierender Datenschutz ist nämlich ein Ding, dass Macht begrenzt, sei es Macht der Exekutive oder Macht von Wirtschaftskonzernen. Und die Weichen in diesem Staat sind nun einmal leider so gestellt, dass es keine solche Beschneidung und Einhegung von exekutiver Macht geben wird.

Dienstag, 17. Juni 2008

Ermittlungen ergeben: Mehr Telekommitarbeiter in Spitzelaffäre involviert als angenommen

Telekom-Mitarbeiter zeigen sich selbst an (Handelsblatt.com)

Ausschnitt:

Mitarbeiter der Deutschen Telekom haben bei den internen Ermittlungen des Konzerns offenbar wichtige Unterlagen zurückgehalten. Die Staatsanwaltschaft Bonn hat bei ihren Durchsuchungen weit mehr belastende Dokumente gefunden, als die Telekom bei ihren Nachforschungen selbst sicherstellen konnte. (Quelle: Handelsblatt.com)

Freitag, 30. Mai 2008

Die paranoide Welt des "rosa Riesen"

Lizenz zum Ausspähen (Süddeutsche.de)

Ein lesenswerter Kommentar von Hans Leyendecker zur Telekom-Spitzel-Affäre.

Ausschnitt:

Ausforschung von Redaktionsbüros, Observation von Arbeitnehmervertretern, Spähangriffe auf Gewerkschaftsbüros, das Abgleichen von Bankdaten, die Erstellung von Bewegungsbildern eines Betriebsratschefs - ist das nun Kino oder Realität?

Vielleicht haben die Handelnden ja ein Identitätsproblem. Bei dem ehemaligen Staatsmonopolisten arbeiten viele frühere Staatsdiener, und für manchen ist das Unternehmen der schützenswerte Staat. Der Fall Telekom erinnert an den Furor mancher Sicherheitspolitiker, wenn es um ihre Geheimnisse geht. Da darf nicht gefackelt werden, wenn was Vertrauliches in die Zeitung geraten ist, da muss die Strafjustiz ran, um den zu finden, der die Informationen den Presseleuten gesteckt hat. (Quelle: Sueddeutsche.de)