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Montag, 27. Juli 2009

Riesiger Schaden für EU-Bürger und EU-Firmen zu befürchten, weil EU-Kommission SWIFT-Daten an USA weitergeben will

Kontodaten: USA wollen EU-Bürger ausspähen (Frankfurter Rundschau)

Zitat:

Alle Bankkunden in Deutschland und allen anderen EU-Staaten müssen künftig damit rechnen, dass ihre Kontodaten gezielt von US-Terrorfahndern ausgeforscht werden - ganz legal und mit freundlicher Unterstützung der Europäischen Union.

Am kommenden Montag wollen die EU-Außenminister in Brüssel die Kommission ermächtigen, ein entsprechendes Abkommen mit den USA auszuhandeln [...].

US-Regierung und EU-Kommission drücken nun mächtig aufs Tempo. Noch im Herbst soll die Vereinbarung in Kraft treten und damit noch vor dem EU-Reformvertrag von Lissabon, der dem Europaparlament das Mitbestimmungsrecht in Sicherheitsfragen garantiert. (Quelle: FR-Online.de)

Auch daran merkt man, dass es den Überwachungsbefürwortern in der Politik und in den Behörden um alles Mögliche geht, nicht aber um den Schutz der Demokratie.

Mal ganz abgesehen von der Verletzung der Bürgerrechte jedes einzelnen EU-Bürgers: Für die USA sind die Daten des Finanzdienstleisters SWIFT vor allem auch ein wunderbares Mittel zur Wirtschaftsspionage. Damit können die USA alle Geschäftsbeziehungen aller westlicher Firmen weltweit detailliert aufzeichnen. Ein ungeheuerer Schatz für die USA oder für einzelne Geheimdienstmitarbeiter, um Einfluss auf die Weltwirtschaft zu nehmen - sei es durch den Einsatz ihres Wissens an der Börse, durch Erpressung von Firmen oder durch Weiterleiten der Informationen über Konkurrenten an bestimmte Firmen (an denen man dann am besten auch gleich Anteilseigner ist) und so weiter.

Montag, 18. Mai 2009

Verheugen: "Deutschland war Weltmeister in riskanten Bankgeschäften"

EU-Kommissar Verheugen: "Weltmeister in riskanten Bankgeschäften" (Süddeutsche Zeitung)

Verheugen kritisiert die typisch deutsche, also schlampige Finanzaufsicht und gibt ihr eine Mitschuld, warum die Banken hierzulande so massiv wie nirgends sonst auf der Welt Schrottpapiere gekauft haben. Außerdem fordert er den Mindestlohn und mehr Plebiszite auf EU-Ebene.

Zitat:

Deutschland war Weltmeister in riskanten Bankgeschäften. Nirgendwo auf der Welt, auch nicht in Amerika, haben sich Banken mit größerer Bereitschaft in unkalkulierbare Risiken gestürzt, allen voran die Landesbanken. Das hat jetzt dramatische Folgen für den deutschen Steuerzahler. (Quelle: Sueddeutsche.de)

Stattdessen will die CSU jedoch bekanntlich die Bankenaufsicht noch weniger kontrollieren lassen - beispielsweise durch die weitere Beschränkung von Auskunftsersuchen von Bürgern nach dem Informationsfreiheitsgesetz.

Dienstag, 31. März 2009

Gesetzesvorhaben zur Einschränkung der Transparenz bei der Bankenaufsicht zeigt, dass das Mediensystem in Deutschland fast durchgehend korrupt ist

Aufsicht ohne Einsicht (Stern.de, Weblog von Hans-Martin Tillack)

Zitat:

Dass die Bankenaufsicht die deutschen Banken zu wenig beaufsichtigt hat - das muss man niemandem mehr erklären. Trotzdem - oder deshalb? - wollten jetzt einige in Union, FDP und SPD verhindern, dass die Bürger besser kontrollieren können, was diese Aufsicht eigentlich tut. (Quelle: Stern.de)

Hans-Martin Tillack fragt zu Recht, warum die Medien über dieses Gesetzesvorhaben nicht berichten. Schließlich werden hier Rechte der Bürger durch die Politiker eingeschränkt. Transparenz und Kontrolle geht verloren, das Informationsfreiheitsgesetz wird eingedampft. Und das, wo doch gerade die Banken und die Aufsicht über die Banken durch die Finanzkrise als riesig großes Problemfeld offenbar wurde.

Dass Politiker den Bürgerinteressen häufig diametral entgegenstehen, sollte inzwischen niemanden mehr verwundern. Da steckt vermutlich die übliche Parteipolitik und Korruption in riesigem Ausmaß dahinter. Es muss sich ja auch lohnen, Politiker zu werden...

Aber dass die allermeisten Medien in Deutschland ganz bewusst nicht berichten über dieses Gesetzesvorhaben, ihr Maul halten, die Bürger und Leser und Zuschauer mit ihrem Schweigen täuschen, zeigt erneut, wie verfault und korrupt die deutschen Medien bei bestimmten Themen sind. Immer dann, wenn es um Bürgerrechte geht, stehen Medien in Deutschland eher auf der Seite des Staates oder der Privatwirtschaft und nicht auf der Seite ihrer Leser, Hörer oder Zuschauer. Vermutlich ist die Konsummacht der Verbraucher zu gering. Medien finanzieren sich in Deutschland durch die Werbeanzeigen oder sind mittels Aufsichtsräten abhängig von der Parteipolitik. Es scheint also mindestens einen Markt von mehreren hundert Millionen potenziellen Lesern, Hörern oder Zuschauern zu benötigen (wie beispielsweise in den USA), damit der Leser/Hörer/Zuschauer als Kunde von den Medien ernst genommen wird und seine wirtschaftliche Macht ausreicht und ein wirksames Gegengewicht bildet gegenüber dem Geld der Anzeigenkunden.

Freitag, 6. Februar 2009

Entweder man rettet die Banken oder die Gesellschaft insgesamt, beides gleichzeitig geht nicht. Deshalb: Verstaatlicht endlich die Banken!

Systemstabilisierung (Rebellen ohne Markt)

Ausschnitt:

Diese Krise ist hochgefährlich, und alles, was der Politik einfällt, ist das Retten der Verursacher in der Hoffnung, dass diese egomanen Mastviecher, die nichts anderes als das Fressen kennen, ein paar Brocken aus den Trögen für andere fallen lassen. Moral Hazard wird damit nicht zum Problem derer, die ohnehin keine Moral haben, aber für die Gesellschaft und ihre Werte.

Man muss die Banken und deren System zerstören, und durch Verstaatlichung, Abwicklung und Reduktion auf ein Niveau bringen, mit dem ihm die Möglichkeit zum Schaden genommen wird. Es ist sicher schwierig, es greift ins Eigentumsrecht ein, aber das Geflenne der Korrupten sollte einen da nicht abhalten: Denn wenn sich jemand nicht um Eigentum der anderen schert, dann sind es die Banken. Entweder die Banken überleben, wie sie waren, oder die Gesellschaft hat eine Chance ihre Werte zu behalten. Beides geht nicht. (Quelle: Rebellmarkt.Blogger.de)

Union will Informationsfreiheitsgesetz massiv beschneiden - ausgerechnet bei der Kontrolle der amtlichen Finanzaufsicht

Geheim – Weniger Transparenz bei Staatshilfen (RBB, Sendung "Kontraste")

Guck an! Es berichtet neben Heise.de doch noch ein weiteres Medium in Deutschland vom Vorhaben der Union im Bundesrat, das Informationsfreiheitsgesetz massiv zu beschneiden. Und das ausgerechnet bei der Kontrolle der amtlichen Finanzaufsicht.

Ausschnitt:

Wenn Staatshilfen an Banken und Unternehmen fließen, dürfen Bürger wie zum Beispiel geprellte Anleger die Akten der amtlichen Finanzaufsicht einsehen. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Die bayerische Landesregierung will das Informationsfreiheitsgesetz des Bundes beschneiden lassen. [...]

Klaus Nieding, Rechtsanwalt, Deutscher Anlegerschutzbund[:]
"Es hilft natürlich dem Anleger zur Waffengleichheit im Rahmen eines zivilrechtlichen Prozesses zu kommen, denn oftmals ist er ja nicht in der Lage, interne Vorgänge, interne Abläufe, aber auch interne Fakten und Daten bei Finanzdienstleister darlegen und beweisen zu können. Dabei helfen ihm natürlich Verwaltungsakten etwa der Bafin."

Genau daran stört sich Seehofer. Denn diese Akten kommen so an die Öffentlichkeit. Und wenn einmal Akteneinsicht gewährt wird, könnten viele weitere Antragsteller folgen. Um das zu verhindern, plant Seehofer jetzt, das Informationsfreiheitsgesetz zu ändern. Ausgerechnet die Bankenaufsicht soll künftig Akten geheim halten dürfen. Und zwar, Zitat:
"… zur Wahrung der Integrität und Stabilität der Finanzmärkte …" [...]

"Kurz gesagt schafft man so eine Black Box, hinter der sich die Verantwortlichen im Finanzwesen dann wunderbar verstecken und verschanzen können. [...]" (Quelle: RBB-Online.de)

Und ist es nicht wieder äußerst interessant, welche Medien alles nicht berichten über dieses Gesetzesvorhaben der Union?

In den USA werden übrigens die Mitarbeiter der dortigen Finanzaufsicht SEC gerade vor den Augen des ganzen Landes live im Fernsehen mit Hohn und Spott in einer Anhörung vor dem Kongress überzogen und bis aufs Mark blamiert und kritisiert von öffentlich auftretenden Whistleblowern und von den Abgeordneten, weil die Finanzaufsicht trotz deutlicher Hinweise von Whistleblowern den Madoff-Betrug nicht viel früher entdeckt hat.

Man muss leider schlicht folgern: Die Union steht für Intransparenz, Lobbygemauschel, Bürgerferne, unkontrollierte Staatsmacht und Einschränkung der Freiheits- und Bürgerrechte.

Mittwoch, 28. Januar 2009

USA: Russell Tices Aussagen deuten an, dass auch Banken illegal mit NSA zusammengearbeitet haben

NSA Whistleblower: Grill the CEOs on Illegal Spying (Wired.com, Threat Level)

Ausschnitt:

Telecommunication companies, such as AT&T and Verizon, are embroiled in lawsuits over their alleged cooperation with the government's warrantless surveillance. If credit card companies and banks also provided information without a warrant, it's conceivable they could face a courtroom challenge as well.

I spoke with Tice extensively in the spring of 2006. With Bush still in power, the whistleblower was considerably more taciturn than on television last week. But looking back through the transcript of my interviews now, in the context of his new revelations, it seems clear that Tice was saying that credit card companies and banks gave the same kind of cooperation to the government that phone companies did. (Quelle: Blog.Wired.com/27bstroke6/)

Die wirklich spannende Frage wäre, ob dann der Kongress wiederum ein Gesetz verabschieden würde, dass im Nachhinein (!) eine deratige, bislang illegale Zusammenarbeit von Banken mit Regierungsbehörden legalisieren würde.

Und hier noch ein leckerer Ausschnitt aus dem Artikel, ebenda aus einem Interview mit Tice:
Tice: For NSA to do what they did ... it means that they knew that it was illegal and the reason they put this super high clearance on it was because they were protecting their own hides to keep anyone within NSA from finding out that it was going on. ...

Let me tell you, the biggest sweat that happened at NSA happened when John Kerry almost got elected president [in 2004], because they were concerned they were all going to be thrown in jail. They were all wiping sweat off their forehead when he lost. That's the scuttlebutt. (Quelle: Blog.Wired.com/27bstroke6/)

Nachtrag: Der österreichische Standard berichtet als eines der bislang wenigen deutschsprachigen Medien über die Aussagen von Tice und schildert kurz das Wesentliche dessen, was im oben verlinkten Artikel von Wired.com steht, auf Deutsch:

So spioniert die NSA (Der Standard)

Ausschnitt:
Ein gängiges Mittel um die Informationen zu erhalten, die die NSA benötigte, war es die CEOs großer Telekommunikationskonzerne unter Druck zu setzen. Firmen mit großen Datenbanken rücken in den letzten Jahren ins Zentrum des Interesses der NSA. Die Top-Manager mussten oftmals unangenehme Fragen beantworten und wurden systematisch unter Druck gesetzt, berichtet Tice. (Quelle: DerStandard.at)

Dienstag, 28. Oktober 2008

Aktienmarkt hat mit "Spielcasino" nichts zu tun

Finanzspekulation: VW-Aktie explodiert (FR-Online.de)

Ausschnitt:

Ein Lehrstück in Sachen Casino-Kapitalismus gibt es am deutschen Aktienmarkt zu bestaunen. Ein wilder Höhenflug der VW-Aktie hat den Autohersteller am Dienstag zeitweise zum teuersten Unternehmen der Welt gemacht. [...]

Mit dem wahren Wert von Volkswagen haben die Kapriolen längst nichts mehr zu tun. [...]

Inzwischen sind Händlern zufolge auch andere Investoren gezwungen, VW-Aktien zu kaufen - etwa alle Fonds, die ihre Performance am Dax messen. Anderen Aktien würden nun ohne Rücksicht auf Verluste verkauft, nur um Aktien von Volkswagen finanzieren zu können, hieß es. (Quelle: FR-Online.de)

Das ist natürlich Quatsch. Mit einem "Casino"-Spiel hat der Aktienmarkt nichts zu tun. Denn bei jedem Glücksspiel, das in einem Spielcasino angeboten wird, kann der Spieler seine Gewinn- und Verlustchancen genau berechnen. Die höchsten Gewinnchancen gibt es bekanntlich beim Roulette. Die Spielbank gewinnt zwar letztlich immer, aber das weiß jeder Glücksspieler zumindest theoretisch im Vorhinein.

Wer hingegen Aktien kauft, hat absolut überhaupt gar keine Ahnung, wie groß seine Gewinn- und Verlustchancen sind. Und es gibt auch - anders als jene esoterischen Schwachköpfe in den TV-Börsensendungen mit ihrem Fach-Kauderwelsch vorspielen wollen - keinerlei wissenschaftlich fundierte mathematische Methode, um die Gewinn- und Verlustchancen von Aktien zu berechnen.

Spielcasinos sind somit geradezu seriöse Einrichtungen im Vergleich zum Aktienmarkt.

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Psychologie zur Finanzkrise: Finanzdienstleister haben Risiken nicht als Risiken verkauft

Psychologie der Finanzkrise: Die verrückte Mär vom irren Markt (Spiegel.de)

Psychologieprofessor Frith Strack über die Rolle der Risikowahrnehmung als Mitursache der Wirtschaftskrise.

Ausschnitt:

Um überhaupt eine Risikoeinschätzung vornehmen zu können, werden meist Heuristiken (einfache Faustregeln) angewandt, wie zum Beispiel ein vermeintlicher Trend bei der Wertentwicklung in der Vergangenheit oder die Einschätzung von Experten. Diese menschliche Schwäche öffnet natürlich Tür und Tor für gezielte Einflussnahmen und Manipulationen. Dies gilt umso mehr, wenn das Risiko verschleiert wird - wie bei den Finanzderivaten, die wesentlich zur jetzigen Krise beigetragen haben. [...]

Aus psychologischer Perspektive ist die derzeitige Finanzkrise deshalb auf ein grundlegendes menschliches Defizit zurückzuführen: die Schwierigkeit, Wahrscheinlichkeiten richtig einzuschätzen und diese bei Entscheidungen angemessen zu berücksichtigen. Und diese Schwäche wurde in ihrer Wirkung durch fehlende Transparenz und risikoloses Gewinnstreben potenziert. (Quelle: Spiegel.de)

Sonntag, 19. Oktober 2008

Bank-Mitarbeiter bekommen dank staatlicher Hilfszahlungen jetzt fürs Katastrophenjahr Milliardensummen an Gehälter und Boni

Wall Street banks in $70bn staff payout (Guardian)

Eigentlich wären die Banken tot, kaputt, pleite. Aber es gibt jetzt ja die staatlichen Hilfszahlungen. Und bevor diese anscheinend bei den Banken bereits fest eingeplanten Beträge überwiesen werden und dann die Banken ihre Manager-Gehälter begrenzen müssen, schlagen die US-Banken noch einmal kräftig zu und bescheren ihren Managern für das abgelaufene Katastrophen-Jahr erneut Gehaltserhöhungen und Boni im Milliardenwert. Ist ja nicht ihr Geld, was die Banken da an die Manager verteilen, denn in der Gesamtsumme haben die Banken in den letzten Monaten mehr Geld und Werte vernichtet als sie jemals durch ihr Tun selbst erwirtschaftet haben.

Es ist also eigentlich der größte Raub in der Menschheitsgeschichte. Aber legal. Ob egal, wird sich anhand der politischen Reaktionen in den kommenden Tagen erweisen.

Ausschnitt:

Financial workers at Wall Street's top banks are to receive pay deals worth more than $70bn (£40bn), a substantial proportion of which is expected to be paid in discretionary bonuses, for their work so far this year - despite plunging the global financial system into its worst crisis since the 1929 stock market crash, the Guardian has learned. [...]

The sums that continue to be spent by Wall Street firms on payroll, payoffs and, most controversially, bonuses appear to bear no relation to the losses incurred by investors in the banks. [...]

Many critics of investment banks have questioned why firms continue to siphon off billions of dollars of bank earnings into bonus pools rather than using the funds to shore up the capital position of the crisis-stricken institutions. (Quelle: Guardian.co.uk)

Freitag, 17. Oktober 2008

Rettungspaket verabschiedet: Bundestag und Demokratie in Deutschland als Farce entlarvt

Bundestag stimmt Banken-Rettungspaket zu (Spiegel.de)

Ausschnitt:

Kontrolle erfolgt durch den Bundestag. Dort wird ein Ausschuss eingerichtet, der über wesentliche Maßnahmen rund um den Rettungsfonds informiert werden soll und ähnlich wie das Parlamentarische Kontrollgremium geheim tagt. (Quelle: Spiegel.de)

Ah. Tolle "Kontrolle". Über 500 Milliarden unserer Steuergelder darf der Finanzminister nun in einem Nebenhaushalt walten. Weitgehend eben unkontrolliert. Doch das verschweigen nahezu alle Medien in Deutschland. Besonders dreist hier wieder einmal der Regierungsfunk von ARD und ZDF (statt Infos über das soeben beschlossene Gesetzespaket gab es im ARD-Mittagsmagazin eben nur ein Interview mit einem katholischen Geistlichen. Bei dieser Zuschauer-Verarschung, die besonders die ARD-aktuell-Redaktion seit einiger Zeit betreibt, hilft wirklich nur noch beten...).

Fast überall in den Medien wird höchstens erwähnt, dass Grüne und Linke gegen das Rettungspaket gestimmt haben. Irgendwie gäbe es zu wenig Kontrolle durch das Parlament bei der Verwendung der Gelder, sagen Grüne und Linke. Mehr erfährt der deutsche Mediennutzer nicht über die Bedenken der Grünen und Linken.

Diese Geldsummen werden späteren Regierungen und Bundestagen für lange Zeit die Gestaltungsmöglichkeiten nehmen. Die deutsche Demokratie hat sich als Farce enttarnt: eine Gewaltenteilung findet in Deutschland nämlich nicht statt. Stattdessen kann die Regierungspartei/Regierungskoalition schalten und walten wie sie will, weil sie in Deutschland immer sowohl im Besitz der Exekutive als auch der Legislative ist.

Anders in den USA, wo der erste Rettungspaket-Gesetzesentwurf der Regierung im unabhängigen Kongress anschließend stark verändert wurde, um der Legislative mehr Einfluss zu sichern.

Freitag, 10. Oktober 2008

Neue These von Konservativen und Neoliberalen: Sozialpolitik des Staates sei Schuld an Finanzkrise

Misunderstanding Credit and Housing Crises: Blaming the CRA, GSEs (The Big Picture)

Der angesehene Finanzexperte Barry L. Ritholtz widerspricht in seinem Weblog "The Big Picture" vehement der nun auch in deutschen Medien, beispielsweise durch Josef Joffe bei ZEIT.de, vertretenen These, dass letztlich der Staat durch seine Sozialpolitik Schuld an der jetzigen Finanzkrise sei. Nach dieser These hätten ein Programm von Jimmy Carter namens "Community Reinvestment Act" (CRA) und eine angeblich von der Politik den Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac befohlene leichtere Gewährung von Hypotheken für ärmere Leute, das lockere Verhalten der Investmentbanken, Hedge-Fonds und Banken in den USA verursacht.

The Big Picture meint dazu jedoch:

Making the rounds amongst a certain subset of wingnuts on CNBC, at IBD and other selfconfoozled folks has been the meme that the entire housing and credit crisis traces to the the Community Reinvestment Act (CRA) of 1977. An alternative zombie myth is the credit crisis is due to Fannie Mae and Freddie Mac. A 1999 article from the New York Times about the GSE's role in subprime mortgages has been circulating as if its the rosetta stone of the credit crisis.

These memes have become a rallying cry -- cognitive dissonance writ large -- of those folks who have been pushing for greater and greater deregulation, and are now attempting to disown the results of their handiwork. (Quelle: Bigpicture.Typepad.com)

Anschließend listet Barry L. Ritholtz die Ungereimtheiten auf, die diese These von der Schuld des CRA oder der GSE an der Finanzkrise in Frage stellen.

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Angesichts von Finanzkrise und inkompetenten Wirtschaftsexperten erscheint Orakel von Delphi als seriöse Institution

Angies Eyes (Süddeutsche.de)

Ausschnitt:

Die Ratingagenturen spielten Kreditrisiken jahrelang herunter und prognostizierten mit einer ans Kriminelle grenzenden Chuzpe, gegen die das Orakel von Delphi seriös und verlässlich genannt werden muss.

Die Risikoprofis in den Staatsbehörden für Finanzaufsicht, in Deutschland sind das allein rund 1600 Menschen, haben sich als inkompetent erwiesen. Und dass die zu Unrecht so genannten Wirtschaftsweisen, die alle paar Monate eitel in der Tagesschau Wachstumsveränderungen im Zehntelprozentbereich wortreich begründen, laut und deutlich vor der drohenden Katastrophe gewarnt hätten, kann man ihnen leider auch nicht nachsagen. (Quelle: Sueddeutsche.de)

Dienstag, 30. September 2008

Steinbrück fehlen 27 Milliarden Tassen im Schrank

Die Regierung spinnt! (Weissgarnix.de)

Ausschnitt:

Halten wir mal eines vorneweg gleich fest: aus der Natur der Geschäfte, die die Hypo Real Estate macht, ergibt sich kein, wiederhole: kein einziger, plausibler Grund, warum man diesen Laden retten sollte, noch dazu mit Steuergeldern. Die HRE hat keine Einlagen, der angeschlagene Geschäftsteil setzte sich mit der Finanzierung von langfristigen öffentlichen Projekten auseinander, die Gläubiger haben sich dem Vernehmen nach ohnehin längst verabschiedet. Was in Dreiteufels Namen spricht dagegen, diese Bank einfach still und leise abzuwickeln? Dass es ein DAX-Konzern ist? Dass es die erste deutsche private Großbank wäre, die pleite ginge? Wen interessiert das? (Quelle: Weissgarnix.de)

Warum musste die absolut unseriös agierende Hypo Real Estate gerettet werden? Wie ist es möglich, dass in den USA tagelang diskutiert wird über ein Rettungspaket, in Deutschland jedoch mal eben Milliarden von der Regierung als Bürgschaft bereitgestellt werden können? Ohne öffentliche Diskussion und ohne irgendwelche politischen "Check and Balances"? Der unterschiedliche politische Umgang mit der Finanzkrise in den USA und Deutschland zeigt, dass es in Deutschland keine echte Gewaltenteilung gibt: Die jeweilige Mehrheitspartei oder Parteienkoalition herrscht halt immer sowohl im Parlament (Legislative) und Regierung (Exekutive) und kann somit machen, was sie will.

Und die Medien greifen die Regierung auch kaum an. Alle ganz zahm. Süüüüüüß, oder?

Montag, 29. September 2008

China als Gewinner der Finanzkrise

China - Die neue Geldmacht (Zeit.de)

Interessanter Artikel, der einen Überblick gibt über den Einfluss, den China bei der aktuellen Finanzkrise der USA hat und wie China durch geschickte Politik und die Umstände letztlich der Gewinner der Krise ist.

Ausschnitt:

Schon lange finanzieren vornehmlich Chinesen einen erheblichen Teil der gigantischen Defizite der USA. Das Geld, das sie mit dem Verkauf in China hergestellter Produkte verdienen, leihen sie den Amerikanern wieder, damit die neue Produkte von ihnen kaufen können. Und so geraten die Amerikaner in die Schuldenfalle. [...]

Mit einer Mischung aus Geschick und Rückständigkeit hat China die Krise bislang weitgehend aus dem eigenen Finanzsystem herausgehalten. [...] Die chinesische Währung ist nicht frei handelbar, sondern fest an einen Währungskorb gekoppelt, dessen Zusammensetzung der Weltöffentlichkeit frecherweise nicht verraten wird. Auch die chinesischen Börsen, die Bankenindustrie und der Immobilienmarkt sind trotz Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation so geschützt, dass Ausländer keine Erdrutsche auslösen können, wenn sie plötzlich ein- oder aussteigen.

Zudem durften sich weder der chinesische Staat noch die Privathaushalte groß im Ausland verschulden. [...]

Die wertvollste Bank der Welt ist inzwischen die Industrial Bank of China (ICBC). Sie macht ihr Geschäft zu 90 Prozent mit schnöden Zinsen und nicht mit spekulativen Finanzprodukten. (Quelle: Zeit.de)

Sonntag, 21. September 2008

Der ungebremste freie Markt hat als politisches Vorbild abgedankt

Finanzkrise: Alle Kassen im Schrank (FAZ.net)

Der FAZ-Artikel fasst einmal kurz zusammen, was die Finanzkrise für die Politik bedeuten könnte.

Ausschnitt:

Wäre schnelles Autofahren eine an Börsen handelbare Größe, dann hätte dieses System Tempolimits, Ampeln, den Führerschein und alle Bremsen abgeschafft. Bis Porsche und Daimler dem TÜV gehören. [...]

Dieser Absturz des Systems wird allen Ernstes als Panne verkauft [...].

[...] für die gegenwärtige Situation einer Krise auf digitalisierten und globalisierten Finanzmärkten gibt es keine historischen Vorbilder. Die Krise ist keine Krise der Immobilienwirtschaft oder des Geldmarkts, sie ist im Kern eine Wissenskrise [...].

Und noch eine Kleinigkeit: Ohne eine Panik auslösen zu wollen, aber die Vereinigten Staaten haben das Geld nicht. Nicht die eben versprochene Summe von einer Million mal eine Million Dollar und nicht das Geld, das sie brauchten, um noch verborgene Defizite aufzufangen. [...]

Es ist nun völlig egal geworden, wer ins Weiße Haus einzieht [...]. (Quelle: FAZ.net)

Der Artikel zieht eine interessante Schlussfolgerung aus dem Desaster: Dass nun der Bürger wieder mehr Mitspracherecht bekäme, weil Parlamentarier über die Rettungs-Gelder entscheiden würden (ein fragwürdiges Argument, finde ich), aber auch, weil das Gerede von der Privatisierung gesunder öffentlicher Unternehmen (Deutsche Bahn z.B.) nun noch mehr als bisher schon vom Bürger in Frage gestellt würde. Aber das kümmerte unsere Politiker bisher ja auch nicht. Ca. 80% der Bevölkerung waren bislang schon gegen die Privatisierung der Bahn und trotzdem wurde die Privatisierung vorangetrieben. Warum auch nicht? Die Bürger wählen die dafür verantwortlichen Parteien ja trotzdem weiter. Vermutlich weil der Drogenkonsum in der Bevölkerung doch schon ungeahnte Ausmaße angenommen hat.

Samstag, 20. September 2008

Der unerwartete Crash: Börsen gebrauchen völlig unzureichende statistische Methoden

The Fourth Quadrant: A Map of the Limits of Statistics (Edge.org)

Nassim Taleb erläutert, warum die statistischen Methoden, die an den Börsern der Welt verwendet werden, um die Risiken von Deals zu berechnen, auf das Geschehen an den Börsen eigentlich nicht angewendet werden können. Das Börsengeschehen unterscheide sich nämlich gänzlich von dem Gebiet, für das die statistischen Verfahren ursprünglich konstruiert wurden. Die statistischen Methoden beschäftigen sich meist mit Verteilungen, bei denen "Ausreißer"-Ereignisse keinen großen Einfluss haben auf die Art und Natur der Verteilung als solche.

An den Börsen jedoch können einzelne, seltene "Ausreißer"-Ereignisse die ganze Natur einer Verteilung verändern. Die herkömmlichen statistischen Methoden basieren jedoch darauf, dass eher die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens vieler kleinerer Ereignisse berechnet wird als die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens eines eklatanten Ausreißer-Ereignisses.

Ausschnitt:

Figure 1 My classical metaphor: A Turkey is fed for a 1000 days—every days confirms to its statistical department that the human race cares about its welfare "with increased statistical significance". On the 1001st day [Thanksgiving Day; Anmerkg. von mir, Solon], the turkey has a surprise. [...]

Figures 1 and 2 show you the classical problem of the turkey making statements on the risks based on past history (mixed with some theorizing that happens to narrate well with the data). A friend of mine was sold a package of subprime loans (leveraged) on grounds that "30 years of history show that the trade is safe." He found the argument unassailable "empirically". And the unusual dominance of the rare event shown in Figure 3 is not unique: it affects all macroeconomic data—if you look long enough almost all the contribution in some classes of variables will come from rare events [...]. (Quelle: Edge.org)

Börsen also als "Casino" zu bezeichnen, ist ein Euphemismus. Denn in einem Casino lassen sich normalerweise die Gewinnchancen genau berechnen - mit den bekannten statistischen Verfahren. An der Börse jedoch lässt sich im Endeffekt das Wesentliche nicht berechnen, weil es dazu gar keine adäquaten Verfahren gibt.

Short-Selling-Verbot als Regeländerung bei laufendem Spiel erzeugt Chaos

Markets Soar, but New Rules Upset Traders (New York Times)

Das Geschehen an Börsen ist komplex. Die Regeln, nach denen gehandelt wird, sind komplex. Es ist ein System, das unvorhersehbar reagiert. Deshalb ist es doppelt verwunderlich, dass die US-Regierung sich traut einfach so von einem Tag auf den anderen die Regeln des Spiels zu verändert und das Short-Selling verbietet. Über das Chaos, was dies auf Seiten der Händler verursacht, berichtet der New-York-Times-Artikel.

Ausschnitt:

In a day of chaotic trading, the currents in the financial world changed course on Friday morning after the Bush administration moved to prop up faltering financial institutions.

Stocks that had been beaten down soared. Treasuries and gold, where investors had sought safety in recent days, plunged. Junk bonds shot up. [...]

But across Wall Street, many of the basic mechanisms of the marketplace broke down after the Securities and Exchange Commission announced on Friday morning that it would ban short selling in nearly 800 financial stocks [...].

Computers that automatically buy and sell for big investors hit snags because they were not programmed for such a restriction. [...]

Some traders said they were no longer betting on the intrinsic health of companies, but rather on what the government might do next. Others simply withdrew from the market. (Quelle: Nytimes.com)

Freitag, 8. Februar 2008

Studie: Gesunde Menschen kosten Gesundheitswesen mehr als Raucher und Übergewichtige

Gesund und schlank kommt den Staat teuer (Neue Zürcher Zeitung)

Ausschnitt:

Gesunde, schlanke Menschen kosten das Gesundheitswesen einer Studie zufolge mehr als Raucher und Übergewichtige: Massnahmen gegen zu viele Pfunde mögen zwar der Gesundheit zuträglich sein, entlasten entgegen vielfacher Vermutung aber nicht die Staatskassen, so das überraschende Ergebnis einer Erhebung niederländischer Wissenschaftler. [...] Der Grund für die höheren Kosten der schlanken und gesunden Bürger sei die längere Lebenserwartung, erklärte Pieter van Baal vom niederländischen Institut für öffentliche Gesundheit und Umwelt. (Quelle: NZZ.ch)

Und wie wir, als Gläubige der neuen Religion des Neoliberalismus, wissen, zählt Gesundheit nichts, wenn sie zu teuer ist.

Massenmörder und Serienkiller sind dieser Logik zufolge wahre Wohltäter der Menschheit, nehme ich an.

Donnerstag, 17. Januar 2008

"Die Story": Und plötzlich ist das Haus weg

Und plötzlich ist das Haus weg (ARD-Sendung "Die Story")

Eine Dokumentation darüber, wie dank eines von der Regierung Schröder verabschiedeten Gesetzes, Banken und Sparkassen Kredite (nicht nur "faule" Kredite) an internationale Hedgefonds verkaufen.

Wer in Deutschland also einen Kredit auf Immobilien laufen hat, dem kann es jederzeit passieren, dass seine Immobilien von einem Tag auf den anderen weg sind, selbst wenn man seinen Kredit immer korrekt bedient hat. Da gibt es Leute, die ihre ganze Lebenszeit in Projekte investieren (beispielsweise ein eigenes Hotel, eine eigene Gastwirtschaft und so weiter) oder die eine eigene Immobilie als Altersvorsorge aufbauen und die plötzlich vor dem Nichts stehen, weil ihre Bank den Kredit auf die Immobilie einfach weiterverkauft hat und der neue Käufer sich nun die Immobilie unter den Nagel reißt.

Fazit: Keinen Kredit auf und für Immobilien aufnehmen! Daraus folgt natürlich, dass nur Leute mit genug Eigenkapital noch Wohnungseigentum erwerben können oder einen eigenen Betrieb aufbauen können. Aber das ist politisch auch so gewollt, denn solche Gesetze entstehen durch den immensen Einfluss neoliberaler Wirtschaftseliten auf die SPD und Union. Volkswirtschaftlich ist das ganze natürlich eine Katastrophe, aber es ist ja nicht ihr Land, das SPD und Union hier zu Grunde richten - könnte man meinen, wenn man sich deren Politik anschaut.

Dienstag, 18. Dezember 2007

Privatversicherte werden bei Organtransplantationen bevorzugt

Privatversicherte werden bei Organtransplantationen bevorzugt (Berliner Zeitung)

Ausschnitt:

Der Anteil der Privatpatienten an der Bevölkerung lag 2005 bei 10,25 Prozent, sie erhielten aber 16,38 Prozent der transplantierten Organe [...]. Privatversicherte würden zudem überdurchschnittlich häufig mit Dringlichkeitsstatus in die Wartelisten aufgenommen. (Quelle: BerlinOnline.de)