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Dienstag, 23. Juni 2009

BGH bestätigt: In Deutschland herrscht Meinungsfreiheit sogar für anonym getätigte Äußerungen - Quelle surprise!

Spickmich.de: BGH erlaubt Noten für Lehrer im Internet (Spiegel.de)

Zitat:

Die Bewertung von Lehrern im Internet verstößt nicht gegen deren Persönlichkeitsrecht. Dies hat der Bundesgerichtshof entschieden. Schüler dürfen demnach auf Spickmich.de weiterhin Noten für Lehrer vergeben - und anonym bleiben. [...}

Die BGH-Richter urteilten: Auch anonyme Bewertungen seien von der Meinungsfreiheit gedeckt. (Quelle: Spiegel.de)

Ca, alors! Ische bün ent-e-setzt!! Auch anonyme Äußerungen sind von der Meinungsfreiheit gedeckt? Wirklich? Na, sowas.

Bis diese simple Tatsache jedoch in Deutschland allgemein bekannt ist, werden sicherlich noch zig Jahrzehnte vergehen.

Mal sehen, wie lange es dauert, bis dennoch der nächste Lehrer versucht gegen Spickmich.de zu klagen. Begründung dann sicherlich: Kinder hätten kein Recht auf freie Meinungsäußerung. Ach, ich glaub, diese (erfolglosen) Klagen gab es sogar schon, wenn ich mich recht erinnere.

Dienstag, 9. Juni 2009

UN-Beauftragter für Menschenrechte kritisiert Umgang mit behinderten Kindern in Deutschland

Munoz ermahnt Deutschland: Menschenrechte nicht für den Mond (Taz.de)

In Deutschland gibt es viele Fälle, wo behinderten Menschen von Schulämtern der Zugang zu Regelschulen rechtswidrig und in Verletzung von UN-Konventionen verboten wird. Gegen diese Art der Diskriminierung protestierte nun der UN-Beauftragte für Menschenrechte. Ändern wird dies natürlich nichts in Deutschland.

Zitat:

Der Sonderbeauftragte der UN für das Menschenrecht auf Bildung, Vernor Munoz, fordert Bundesländer und -regierung auf, die Rechte behinderter Kinder anzuerkennen. [...]

Er reagierte damit auf die Äußerung eines Marburger Schulrats, der sagte: Die Konvention der Vereinten Nationen für behinderte Menschen habe in Hessen keine Gültigkeit. Wie die taz berichtet hatte, verweigert das Schulamt mit diesem Hinweis einem 15-jährigen Jugendlichen mit Down-Syndrom den Zugang zu einer Gesamtschule - obwohl diese ihn aufnehmen will. [...]

Der Jurist und Menschenrechtsbeauftragte Munoz mahnte in einem Gespräch am Rande seines Besuchs in Oldenburg grundlegende Veränderungen der deutschen Schule an. "Mit dem Schulsystem kann es so nicht weiter gehen. Man kann nicht sagen, wir machen inklusive Schule - und ändert aber gar nichts", sagte Munoz. (Quelle: Taz.de)

Moment, Marburg liegt doch in Hessen, oder? Mehr muss man dazu nicht sagen. Denn Hessen LIEGT tatsächlich auf dem Mond: Verstrahlt, sauerstoffarm, intellektuelle Einöde...

Munoz hielt sich anscheinend gerade noch zurück und bezeichnete die Bundesländer nicht als "Schurkenstaaten".

Mittwoch, 6. Mai 2009

Wie die Kultusminister in Deutschland die Wähler verarschen

Notstand im Klassenzimmer: Hilfslehrer müssen einspringen (3Sat, Sendung "Kulturzeit")

In vielen Bundesländern, vor allem in von CDU/CSU regierten Bundesländern, fehlen viele Lehrer. Statt neue Lehrer einzustellen, müssen immer mehr Hausfrauen ohne Berufsausbildung oder gar Schüler Unterricht übernehmen - zum Billiglohn.

Eine Schülerin musste sogar sterben, weil der Schwimmunterricht regelmäßig von einem körperlich dazu gar nicht befähigten Laien als Aushilfskraft geleitet wurde.

Ich würde sagen: Wie die Politiker im Wahlkampf immer vom "hohen Gut der Bildung" sprechen und anschließend immer mehr und immer umfassender genau bei Schule und Bildung sparen, gefährdet mittlerweile die Demokratie.

Freitag, 17. April 2009

Großbritannien: Neuer rigider Strafkatalog gegen Schüler in Planung

Isolationszellen für Schüler, Bestrafung der Eltern (Telepolis.de)

In Großbritannien sollen umfangreiche Strafen auf ungehorsame Schüler zukommen. Das reicht vom Konfiszieren von Eigentum, wahllosen körperlichen Durchsuchungen bis hin zum Einsperren auch über die täglichen Schulzeiten hinaus.

Es ist faszinierend, wie hier Pseudoexperten und Politiker jegliches Wissen aus der Pädagogik ganz bewusst zu ignorieren scheinen. Auf keinem anderen Gebiet könnten Politiker sich vermutlich eine derartige Ignoranz gegenüber der Wissenschaft leisten. Bei der Pädagogik jedoch ist das möglich. Schade.

Werden diese rigorosen Strafmaßnahmen durchgezogen, dann kann man davon ausgehen, dass die Gewaltprobleme in Großbritannien weiter zunehmen. Vielleicht ist das auch politisch ganz bewusst gewollt so. Vielleicht wollen dort bestimmte Kreise einen Teufelskreis aus Gewalt und staatlicher Gegengewalt erzeugen. Immer mehr Repressionen töten die Demokratie. Die Demokratie kann nur gestützt werden, wenn man Kindern vorführt, dass die Würde des Menschen geachtet wird und nicht, indem man ihre Würde verletzt.

Freitag, 13. März 2009

US-Experte: Man kann Amokläufe sehr wohl im Vorfeld verhindern

Interview mit Bill Woodward: "Probleme erkennen!" (Frankfurter Rundschau)

Der Direktor der Trainingsabteilung im Zentrum zur Gewaltverhütung an der University of Colorado erklärt, wie man Amokläufe verhindern kann.

Ein absolut faszinierendes Interview. Es macht deutlich, dass man Amokläufe sehr wohl verhindern kann und dass "die Umwelt" eine sehr große Rolle spielt als Ursache von Amokläufen. Das Schulklima beispielsweise spielt eine große Rolle und wie Mitschüler, Freunde, Lehrer und Familienmitglieder miteinander umgehen. Sehr, sehr unbequeme Wahrheiten. Im Gegenzug sagt also ein Amoklauf leider auch etwas aus über unsere Gesellschaft, die Familie, das soziale Umfeld und die Institution Schule.

Sonntag, 8. März 2009

Behinderte Schüler in Deutschland: Aussortiert und abgesondert

Behinderte Schüler in Deutschland: Aussortiert und abgesondert (Taz.de)

Auszug:

Conny ist halbseitig gelähmt und geht auf eine Sonderschule. Laut UN-Konvention müssen Kinder wie Conny in normale Schulen integriert werden - doch die Bundesländer schert das nicht. (Quelle: Taz.de)

Mittwoch, 26. November 2008

Bericht einer Mutter über die staatlich gelenkte Ausgrenzung behinderter Menschen in Deutschland

Eine Mutter erzählt: Kein Recht auf Alltag für Behinderte (Taz.de)

Ausschnitt:

Mein Sohn wurde per Beschluss des Verwaltungsgerichts vom Unterricht einer normalen Schule ausgeschlossen. Als Mutter eines mit staatlichem Zwang ausgesonderten Kindes erlaube ich mir, zu beschreiben, wie sich so etwas anfühlt: Mit knapp zwei Jahren wird durch Untersuchungen festgestellt: dein drittes Kind hat ein schwach ausgeprägtes Down-Syndrom. Von diesem Moment an musst du erleben, wie dieses Kind benachteiligt und ausgegrenzt wird.

Es darf nicht wie seine Brüder in den wohnortnahen Kindergarten, nicht auf die Sprengelschule, nicht beim Sportverein mitturnen. Nur beim Skiverein hatte er das große Glück, auf "normale" Menschen zu treffen - er fuhr sogar Skirennen. Unser Schulsystem sieht für so ein Kind die "besondere Förderung" vor: Ein Leben nur unter Kindern mit Behinderungen, weg vom sozialen Bezug des Wohnortes. Sehr "förderlich"! Ausgesondert. (Quelle: Taz.de)

Dienstag, 17. Juni 2008

Bruttoinlandsprodukt-Anteil an Ausgaben für Bildung sinkt in Deutschland weiter

Dieses Land ist einfach zu blöd (Netzeitung.de)

Ausschnitt:

Schlicht zu blöd ist man freilich auch an der Spitze, man kann das kaum charmanter formulieren. Denn gelernt hat man dort aus dem gründlichen Wissen über den deutschen Bildungsrückstand nichts. Trotz allen Geredes um "Bildung als Zentralressource" und "Bildung für alle" und "Wissen als Rohstoff der Zukunft" ist der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt in Deutschland sogar gesunken. (Quelle: Netzeitung.de)

Mittwoch, 16. April 2008

Welt.de warnt: Schulbücher lehren nicht die Heilslehre des Neoliberalismus!

Kapitalismuskritik: Schulbücher hetzen gegen die Marktwirtschaft (Welt.de)

Oh weh! Der Feind sitzt mitten unter uns! Rettet den Kapitalismus! Die extremistischen Kommunisten haben schon die Schulen und die Schulbuchverlage unterwandert!

Ausschnitt:

Die Autoren von "Diercke Erdkunde 9" scheinen nicht gerade begeisterte Freihändler zu sein. Im Themenabschnitt "Welthandel" erläutern sie, was die Folgen von Marktöffnungen sind: Entlassungen, Entlassungen, Entlassungen. Zunächst wird die Aufhebung der Mengenbeschränkungen im weltweiten Textilhandel besprochen. Diese gefährde Arbeitsplätze in Ländern wie der Türkei oder Mexiko. Die Liberalisierung des Kaffeemarktes habe für die Arbeiter ebenso schlimme Folgen, wie diese Passage den Schülern klarmachen soll: "Kaffee ist nach Erdöl der wichtigste Exportrohstoff. Bis 1989 hatte die CEO (Internationale Kaffeeorganisation) dafür gesorgt, dass der Kaffee einen Mindestpreis erzielte. Seit diesem Zeitpunkt besteht aber das Gesetz des freien Handels. Folge war ein deutlicher Preisverfall [...]

Der findige Schüler kann jedoch einem kleinen, aber sehr informativen Kästchen am Seitenrand entnehmen, dass 43,5 Prozent des Endverbraucherpreises für Kaffee aus Steuern und Abgaben an den Staat bestehen. Warum, fragt man sich, weisen die Autoren nicht im Text darauf hin und schimpfen stattdessen auf die Zwischenhändler? (Quelle: Welt.de)

Ja, die bösen Steuern! Vernichten die Wirtschaft und den Wohlstand...

Auch das in Schulbüchern vermittelte Konzept, dass man mittels staatlicher Programme gegen Kinderarbiet vorgehen sollte, sei keine Lösung, weil das ja wieder Steuergelder koste:

Kinderarbeit ist ein noch viel zu verbreitetes Phänomen und gehört nicht in eine moderne Welt. Leider vermittelt der Text jedoch den Eindruck, dass es das Fehlen von staatlichen Regulierungen und Steuern (!) ist, das solche Arbeitsverhältnisse überhaupt erst erzeugt. Außerdem entsteht geradezu der Eindruck, der Staat müsse die Kinder vor ihren eigenen Eltern schützen. (Quelle: Welt.de)

Der Welt.de-Autor bezeichnet dann noch die Schulbuch-Autoren des "Diercke-Atlas" als weltfremde "Gutmenschen".

Sicherlich sind die Probleme der Globalisierung in Schulbüchern nicht ausreichend differenziert dargestellt. Aber der Welt.de-Autor verkauft als einziges Rezept gegen die Armut anscheinend die völlige Deregulierung der Wirtschaft. Dass dabei die Schwächeren weiter und stärker ausgebeutet würden, kommt ihm anscheinend nicht in den Sinn.

Die Schilderung der sozialen Marktwirtschaft in den Schulbüchern nennt der Welt.de-Autor sogar schließlich noch "unmoralisch" und "parteipolitisch".

Was den weltweiten "Freihandel" betrifft: Der hat häufig den Begriff "Freihandel" übrigens gar nicht verdient. Denn bei den sogenannten Freihandelsabkommen läuft häufig ein erpresserisches Spielchen ab, bei dem den armen Ländern der Zugang zu den Märkten der Industrienationen zu unfairen Preisen verkauft wird. Aber darüber informiert der Welt.de-Artikel leider nicht.

Die sogenannte "deregulierte" Marktwirtschaft ist eben häufig gerade kein Ort, wo Gleichheit und Freiheit herrscht. Der Welt.de-Artikel ist genau das, was er den Schulbuchautoren vorwirft: Dreiste Propaganda einer extrem eindimensionalen, ja fast religiös ausgeformten neoliberalen Heilslehre. Mit ernstzunehmender Wirtschaftslehre hat der Artikel jedenfalls nichts zu tun.

Mittwoch, 12. März 2008

SPD und "Linkspartei" in Berlin haben's kapiert: Behinderte Kinder sind wunderbar wehrlose Opfer

Dramatische Kürzungen bei Schulhelfern (Berliner Morgenpost)

Es ist zum Verrücktwerden. Egal, wer wo an der Regierung ist, gespart wird dort, wo am wenigsten Widerstand zu erwarten ist. Das ist Politik. Zynismus pur. So werden nun in Berlin anscheinend professionelle Schulhelfer für Schüler mit Behinderungen weggekürzt. Für die betroffenen Kinder und Eltern hat dies dramatische Auswirkungen. Eltern müssen teilweise ihre Jobs aufgeben, den Kindern werden auf eklatante Weise Zukunftschancen verbaut. Da die betroffene Gruppe von Menschen jedoch rein zahlenmäßig relativ klein ist, nimmt auch kaum jemand ihren Protest wahr. Bequeme Opfer also.

Übrigens: In Berlin regieren SPD und die Partei, die sich "Die Linke" nennt. Im "wirklichen" Leben kommt es eben weniger auf Parteiprogramme an als auf die Integrität und das Verantwortungsgefühl des einzelnen Politikermenschen.

Weiteres von "hinter den Kulissen" - aus Sicht einer betroffenen Mutter nämlich - erfährt man bei "Moni" in ihrem Blog.

Textauszug aus dem Artikel in der Berliner Morgenpost:

Viele Eltern, deren Kinder eine Förderschule besuchen, sind in heller Aufregung. "Sämtliche Förderschulen sind von massiven Kürzungen der Schulhelferstellen betroffen" [...]. "Bei uns wurden mehrere Erzieher abgezogen und durch Überhangpersonal wie Reinigungskräfte und Hausmeister ersetzt." Wenn Lehrer fehlten, müsste dieses Personal teilweise zwei Klassen betreuen. Das sei unhaltbar, zumal die Eltern darüber nicht einmal informiert wären. [...] Ende Januar hatten sich bereits Eltern [...] beschwert (wir berichteten). Sie hatten kritisiert, dass es für besonders stark behinderte Kinder keine qualifizierte Betreuung mehr gebe, seit drei heilpädagogisch ausgebildete Schulhelfer ihre Arbeit an der Schule aufgeben mussten. Laut Elternsprecherin Visjna Zogic wurden stattdessen fachfremde Mitarbeiter aus dem zentralen Stellenpool an die Schule versetzt. (Quelle: Morgenpost.de)

Heilpädagogen lassen sich natürlich wunderbar problemlos und unbemerkt wegkürzen. Weiß ja niemand, was die so machen, denken sich die Knallchargen der Berliner SPD und der Berliner Linkspartei vermutlich. Vielleicht sollten die Berliner einen Volksentscheid ins Leben rufen, der den Parteien die Gelder für Pressesprecher, Systemadministratoren und Sekretärinnen kürzt. Diese Aufgaben können doch sicherlich auch Hausmeister und Putzfrauen mit Niedriglohn übernehmen.

(via Behindertenparkplatz)

Freitag, 8. Februar 2008

Schulzeitverkürzung: Wie der Neoliberalismus die Kindheit abgeschafft hat, weil sie zu teuer ist

Schulzeitverkürzung: Ein pädagogisches Desaster (Zeit.de)

Ein äußerst lesenswerter Artikel.

Die bundesweit durchgesetzte Schulzeitverkürzung entpuppt sich nun auch für die elitegeilen Eltern als menschenfressendes Ungeheuer.

Ja, liebe Leute, so sieht er halt aus, der Neoliberalismus. Guckt ihn euch genau an, bevor er auch euch verschluckt. Die Wirtschaft hat er schon gefressen, dann die Medien, dann die öffentliche Verwaltung mitsamt der kommunalen Versorgungsleistungen. Bildungs- und Gesundheitssystem werden gerade verspeist. Auch die Außenpolitik, umgewandelt zur EU-Innen- und EU-Außenpolitik sind längst Spielfelder der Neoliberalen. Auch militärische Auseinandersetzungen zur Sicherung des Wohlstands werden bald auch von der EU ausgehen.

Es zählt nur noch eines im Neoliberalismus: Der ökonomische Faktor. Alle anderen Werte sind dem unterzuordnen. Der Staat soll nach Innen hin nicht mehr regulierend eingreifen und wird nach Außen hin zum Instrument der Absicherung von Eliteinteressen. Überall, in allen gesellschaftlichen Bereichen und Ebenen, muss Wettkampf und Wettbewerb eingeführt werden. Auf dass die starken, eh unabhängigen Eliten, die keinerlei Unterstützungsleistungen benötigen, die Schwachen endgültig unter ihre Knute zwingen können. Neoliberale sind eigentlich Wirtschafts-Anarchisten. Da sie aber Heilsverprechen von Wohlstand und Reichtum vor sich her tragen, finden sie viele Anhänger. So ist auch bei den sogenannten "christlichen" Unionsparteien längst jemand namens "Mammon" der neue Jesus.

Ausschnitt:

Zwanzig Minuten Mittagspause, die trostlose Kantine ist mehr schlecht als recht in zwei ehemalige Klassenzimmer gestopft, schnell essen, sonst reicht die Zeit nicht, aber viel Zeit möchte auf die geschmacksfreie Aluschalenkost, die totgekochten Nudeln und halbrohen Kartoffeln auch niemand verwenden; rasch mit dem Kohlehydratmatsch im Magen zurück in den Physikraum, biorhythmischer Tiefpunkt, noch zwei Unterrichtsstunden oder gar drei, um 16 Uhr kann der Heimweg angetreten werden, die Hausaufgaben dauern bei konzentrierter Erledigung bis etwa 18 Uhr: So sieht heute der Schultag an vielen Gymnasien aus, die die Schulzeit von neun auf acht Jahre bis zum Abitur verkürzt haben. [...]

Den Eltern scheint es endlich zu dämmern: "G8" ist eine Ideologie, der Nachmittagsfreizeit und Musikunterricht, Zeit für den Sportverein, für Freunde, fürs Lesen und fürs Nichtstun zu opfern sind. Diese Ideologie heißt "Tempo um jeden Preis" und bedeutet die Unterwerfung der Pädagogik unter sachfremde, ökonomistische Kriterien. Sie passt zum Zeitgeist der vergangenen 15 Jahre, in dem Schlagwörter wie "Konkurrenzkampf", "Wettbewerb" und "Wohlstand" (alles CDU-Leitantrag 2000) einen besseren Klang hatten als vermeintlich verstaubte Begriffe wie "Bildung", "Charakter", "geistige Reife" oder "Urteilsvermögen". Insofern ist die Turbo-Ideologie, obwohl sie ganz überwiegend von Christdemokraten vertreten wurde, zutiefst antibürgerlich [...].

Die thüringische Kultusministerin Christine Lieberknecht (CDU) formulierte freilich schon 1990 das entlarvendste Argument für das achtjährige Gymnasium: "Wir können uns ökonomisch gar nichts anderes leisten."

Damit hatte die Auseinandersetzung endgültig jeden Bezug zum Wohlergehen der Schüler und zum speziellen Bildungsauftrag des Gymnasiums verloren. 1993 einigten sich bei einem Treffen in Potsdam nicht etwa die Kultus-, sondern die Finanzminister der 16 Länder darauf, den Ministerpräsidenten den bisher radikalsten Vorschlag zu machen: die bundesweite Abschaffung der 13.Klasse [...]. [...] Baden-Württembergs damaliger Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) freute sich auf "mittelfristig erhebliche Einspareffekte". (Quelle: Zeit.de)

Montag, 21. Januar 2008

Deutschland: Demokratie steht nicht auf dem Stundenplan

Demokratie? Noch nie gehört (Berliner Zeitung)

Ausschnitt:

An diesem bundesweiten Gedenktag - vorgesehen ist der 18. März, da an diesem Tag im Jahr 1990 die ersten freien Wahlen in der DDR stattfanden - soll es an Schulen Projekte geben, die dazu beitragen, dass Schüler Demokratie wertschätzen lernen.

Solch einen Demokratie-Tag kann ich angesichts der großen politischen Wissenslücken der Schüler, die sich die meisten ehrlichen jungen Leser auch selbst bescheinigen werden, nur positiv bewerten. Doch sollten sich vor allem die Bildungspolitiker einmal fragen, wieso es bei zu vielen Jugendlichen so schlecht um die politische Bildung steht. Teilschuld könnten die Lehrpläne haben: Die Unterscheidung zwischen einer Demokratie und einer Diktatur habe ich erst in der zwölften Klasse gelernt - im Leistungskurs Politische Wissenschaften (PW). An Real- und Hauptschulen wird das Fach nicht unterrichtet, an Gymnasien ist es keine Pflicht. Und im Geschichtsunterricht kommt das Thema nicht umfassend genug vor. Mit anderen Worten: Viele Heranwachsende verlassen die Schule, ohne Begriffe wie Pluralismus, Solidaritätsprinzip oder Marktwirtschaft erklären zu können. (Quelle: BerlinOnline.de)

Montag, 17. Dezember 2007

Kopfnoten in der Schule sind die reinste Idiotie

Kritik an Kopfnoten - Zu viele Noten pro Schülerkopf (Frankfurter Rundschau)

Ausschnitt:

Viele Lehrer fühlen sich mit den durchschnittlich 180 zusätzlichen Noten pro Klasse überfordert. Nach Berechnungen der Lehrergewerkschaft GEW entstünden so zwei Millionen zusätzliche Arbeitsstunden. Die Pädagogen haben vom Ministerium eine Anleitung erhalten, die informiert, nach welchen Kriterien sie beurteilen sollen. Zuweilen sind die Maßstäbe ungenau: Wie etwa lässt sich feststellen, ob ein Schüler eigene Interessen zurückstellt? (Quelle: FR-Online.de)

Kopfnoten sind Willkür und dienen somit der Willkürherrschaft der Lehrer. Die Einstellungsmessung erfordert eigentlich ausgereifte Testinstrumente und kein Pi-Mal-Daumen-Rumgerate von Lehrern. Kritik an Lehrern von Schülerseite aus wird so noch risikoreicher für die Schüler, da der Lehrer über die "Kopfnoten" zurückschlagen kann. Die zusätzlich aufzuwendende Arbeitszeit für die Benotung fehlt den Lehrern sicherlich auch an anderer, wichtigerer Stelle. Bildungspolitik à la Chaos-Partei CDU halt. Alles Idioten.

Mittwoch, 5. Dezember 2007

Dreigliedriges Schulsystem als Spiegelbild und Keimzelle einer autoritären Gesellschaft

(Via ZAF) Ohne Stolz geht es nicht (Zeit.de)

Ausschnitt:

"Der Aufbau des deutschen Schulsystems betont den Klassengeist. Schon im Alter von 10 Jahren sieht sich das Kind eingruppiert oder klassifiziert durch Faktoren, auf die es keinen Einfluss hat, wobei die Einstufung fast unvermeidlich seine Stellung für das ganze Leben bestimmt. Diese Haltung hat bei einer kleinen Gruppe eine überlegene Haltung und bei der Mehrzahl der Deutschen ein Minderwertigkeitsgefühl entwickelt, das jene Unterwürfigkeit und jenen Mangel an Selbstbestimmung möglich machte, auf dem das autoritäre Führerprinzip gedieh." So hieß es am 25. Juni 1947 in der Direktive 54 des Alliierten Kontrollrates, die die Handschrift der Amerikaner trug. (Quelle: Zeit.de)

Samstag, 1. Dezember 2007

Unions-Kultusminister reden sich wegen neuer PISA-Ergebnisse in Rage

Neues Pisa-Leck: Deutsche Schüler stagnieren bei Lesen und Mathematik (Spiegel.de)

Wenn das Thema nicht so ernst wäre, könnte man sich kaputt lachen über die Posse, die die CDU jetzt veranstaltet.

Da veröffentlicht Spanien vorzeitig PISA-Ergebnisse und der internationale Koordinator Andreas Schleicher erläutert deshalb aus Fairness-Gründen gegenüber den Medien schon einmal ein paar der neuen PISA-Ergebnisse, sagt aber zugleich, dass gegen Spanien Disziplinarmaßnahmen eingeleitet würden wegen der vorzeitigen Veröffentlichung. Und die Union macht daraus den Vorwurf, Schleicher hätte die PISA-Ergebnisse vorzeitig veröffentlicht.

Da erläutert Schleicher, dass Teile des PISA-Tests (Teile!) nicht unbedingt mit früheren PISA-Ergebnissen verglichen werden können und die Union setzt die Legende in die Welt, dass alle (alle!) PISA-Ergebnisse also angeblich nicht vergleichbar seien und dass man doch eine Vergleichsstudie bestellt habe und dass das ja wohl eine Unverschämtheit sei, dass jetzt nichts (nichts!) verglichen werden könne.

Bla, bla, bla.