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Mittwoch, 12. August 2009

Studie des DIW: Reallöhne der Arbeitnehmer sanken in vergangenen Jahren in nie gekannter Weise - Einnahmen von Kapitalanlegern stiegen rasant

Arbeitnehmer schultern immer mehr Lasten (Spiegel.de)

Zitat:

Was viele Arbeitnehmer ohnehin als gefühlten Trend im Alltag wahrnehmen, ist nun durch eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) belegt: Ihre Belastung durch Steuern und Sozialabgaben steigt stetig, die Löhne dagegen sinken. Arbeitnehmer hätten in den vergangenen fünf Jahren unter dem Strich immer weniger verdient.

Als "einmalig" in der Geschichte der Bundesrepublik wertete das Institut das Phänomen, das die Löhne hierzulande auch nach dem 2004 einsetzenden Aufschwung weiter gesunken sein. [...]

Die schwache Lohnentwicklung sei zudem nicht darauf zurückzuführen, dass die Einkommen von gering Qualifizierten gesunken sei. Vielmehr seien die Einkommen aller Berufsgruppen gesunken. (Quelle: Spiegel.de)

Mittwoch, 17. Juni 2009

Iran: Repräsentative Befragung drei Wochen vor Wahlen zeigten Vorsprung von Ahmadinedschad

The Iranian People Speak (Washington Post)

Drei Wochen vor der Wahl im Iran wurde von der Organisation "Terror Free Tomorrow" eine repräsentative Befragung von Iranern durchgeführt. Dabei teilte die Mehrheit mit, für Ahmadinedschad stimmen zu wollen. Ein Drittel war noch unentschlossen. Angst hatten die befragten Iraner bei ihren Antworten wohl nicht, weil sich in der Befragung auch vier von fünf Iranern für einen Wandel des politischen Systems im Iran aussprachen.

Die Washington Post liefert jedoch auch gleich in einem weiteren Artikel eine skeptische Analyse dieser Befragung: About Those Iran Polls.

Wichtigster Einwand: In den drei Wochen zwischen Befragung und Wahl wäre die Popularität von Mussawi ernorm gestiegen und rund die Hälfte der Befragten hätte sich überhaupt nicht geäußert. Dies schwäche die Aussagekraft der Befragung enorm.

Zitat:

One should be enormously wary of the current value of a poll taken so far before such a heated contest, particularly one where more than half of voters did not express an opinion. (Quelle: WashingtonPost.com)

Dienstag, 16. Juni 2009

Iran-Wahl: Zweifel an offiziellen Angaben zur Stimmverschiebung zwischen Konservativen und Reformern

Analysts pore over 'ambiguous' Iran results (CNN.com)

Eine (weitere, aber ganz brauchbare) Analyse zur Frage, ob die Wahlergebnisse im Iran nun gefälscht waren oder nicht. In dieser Analyse werden nur die Stimmenverschiebungen im Iran betrachtet zwischen der Wahl im Jahr 2005 und der jüngsten Wahl. Viele Zweifel an der Wahl stammen aber natürlich auch aus der Art und Weise, wie die Wahlergebnisse bereits zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale veröffentlicht wurden und dass das iranische Staatsoberhaupt sogar noch vor der offiziellen Bekanntgabe der Ergebnisse Ahmadinedschad zum Gewinn von 24 Millionen Stimmen gratulierte (ja, er nannte exakt die Zahl von 24 Millionen Stimmen... kurz nach Ende der Wahl...).

Zitat:

"The fact that you had some areas where conservatives got only 20 percent of the vote in 2005 and got 70 percent of the vote this time -- things like that have people who already had doubts about those numbers scratching their heads," Silver said. (Quelle: CNN.com)

Samstag, 13. Juni 2009

Respektlos, intolerant, käuflich: Nur gut ein Drittel der Deutschen vertraut Journalisten

(Via Lawblog.de) Respektlos, intolerant, käuflich: Deutsche stellen Journalisten ein schlechtes Zeugnis aus (Presseportal.de)

Zitat:

Der Journalismus in Deutschland steckt in einer Vertrauenskrise. Nur gut ein Drittel der Deutschen sagen, dass sie Journalisten vertrauen. Damit liegt der Journalismus weit hinter anderen Berufen zurück. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Entzauberung eines Berufs - Was die Deutschen vom Journalismus erwarten und wie sie enttäuscht werden" der TU Dresden. (Quelle: Presseportal.de)

Sehr interessante Ergebnisse, wie ich finde. Erschreckend auch, dass viele deutsche Pressekonsumenten kaum mehr einen Unterschied sehen oder kennen oder wissen zwischen Journalismus und PR. Die Berichterstattung über Politik sehen ganze zwei Drittel als zu wenig objektiv an. Vor allem gehen die Leser und Zuschauer und Zuhörer davon aus, dass Informationen, die eine berichtete politische Sichtweise in Frage stellen, bewusst unterdrückt werden von vielen Medien.

Ach, übrigens: Wetten, dass über diese Studie in den Medien kaum berichtet werden wird?

Dienstag, 9. Juni 2009

Studie: Ein-Euro-Jobs vernichten reguläre Arbeitsplätze

Zweifel an Arbeitsmarkt-Instrument: Keine Vollzeitstelle durch Ein-Euro-Job (Taz.de)

Zitat:

Durch die öffentlich geförderten Billigjobs finden Erwerbslose fast keine neuen Stellen auf dem regulären Arbeitsmarkt, kritisieren die Gewerkschaften. [...]

Das Instrument ist ein Teil der Hartz-Reformen. [...]

Laut Deutschem Gewerkschaftsbund funktioniert dies kaum. "Nur 12 Prozent der Befragten im 1-Euro-Job wurde eine normale Vollzeitstelle angeboten", schreibt der DGB. Die Studie stützt sich auf eine Befragung, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit Anfang 2007 bei 1.232 1-Euro-Jobbern durchführte. Die negativen Ergebnisse spiegeln die Selbsteinschätzung der Befragten wider. (Quelle: Taz.de)

Außerdem verweist der Taz-Artikel auf ein Rechtsgutachten der Hans-Böckler-Siftung, das die Ein-Euro-Jobs auch teilweise als rechtswidrige "Pflichtarbeit" ansieht.

Neu war mir, dass junge Erwachsene beispielsweise häufig von den Arbeitsagenturen in den Park zum Laubfegen geschickt werden, statt dass ihnen dabei geholfen wird, den Hauptschulabschluss nachzuholen.

Montag, 18. Mai 2009

Armut hat sich in weiten Teilen Deutschlands strukturell festgesetzt

Armutsatlas: Deutschland, tief zerrissen (Süddeutsche Zeitung)

Der Paritätische Gesamtverband veröffentlicht zum ersten Mal seinen Armutsatlas.

Zitat:

Für Schneider zeigt die Auswertung, dass "Deutschland sozial und regional tief zerrissen ist". In vielen Regionen gebe es einen "Teufelskreis der Verarmung". Ohne rasches und gezieltes Gegensteuern sei die Verödung ganzer Landstriche nicht mehr aufzuhalten.

Schneider forderte, den Hartz-IV-Regelsatz von derzeit 351 auf 440 Euro zu erhöhen und die Konjunkturprogramme stärker regional auszurichten.
Fördermittel dürften nicht länger wie bei der Abwrackprämie "mit der Gießkanne verteilt" werden. (Quelle: Sueddeutsche.de)

Höchste Zeit, dass die Neoliberalalas mal wieder einen ihrer "Ländervergleiche" raushauen und den Bundesländern Noten vergeben und mitteilen, dass das arme Mecklenburg-Vorpommern einfach zu wenig aus seinen Möglichkeiten mache und die Politik dort unbedingt weniger regulativ eingreifen müsse, damit sich der freie Markt besser entfalten könne...

Mittwoch, 18. März 2009

Zweifel an Zahlen in Jugendstudie des Kriminologischen Forschungsinstituts in Niedersachsen (KFN) zu Gewalt und Ausländerfeindlichkeit

Jugendliche und Gewalt: Starker Zulauf zu rechten Gruppen (Taz.de)

Zitat:

Glaubt man den Zahlen, wäre demnach fast jeder 20. Fünfzehnjährige Mitglied einer rechtsextremen Gruppe. Bundesweit wären das insgesamt über 20.000 Jungen. Sollte dies wirklich stimmen, müsste der Verfassungsschutz seine Angaben korrigieren. Denn dieser geht bislang insgesamt von etwa 31.000 Mitgliedern in rechtsextremen Parteien und subkulturellen Gruppen aus. (Quelle: Taz.de)

Entweder die Taz liest hier einige Statistiken falsch oder die Studie des in den Medien und von der Politik gerne zitierten Christian Pfeiffer, des Direktors des Kriminologischen Forschungsinstituts in Niedersachsen (KFN), ist von zweifelhafter Qualität oder aber - und das wäre ein wirklicher Skandal - der Verfassungsschutz hätte jahrelang das Ausmaß des organisierten Rechtsextremismus maßlos klein geredet.

Leider werden die allermeisten Medien in Deutschland diesen Fragen vermutlich nicht weiter nachgehen.

Samstag, 21. Februar 2009

Ursula von der Leyens unterirdisches Verhältnis zur Wahrheit

Die nicht vertrauenswürdige Spin-Doktorin Ursula von der Leyen (Handelsblatt, Indiskretion Ehrensache)

Thomas Knüwers Kommentar zu Von der Leyens Versuch, ihre Internetfilterpläne mit haltlosen Behauptungen zu forcieren und ihre falschen Zahlen in Bezug auf eine angeblich gestiegene Geburtenrate in Deutschland:

Langsam gewinne ich den Eindruck, Ursula von der Leyen lebt in einer Welt, die andere nur durch den Einfluss halluzinogener Drogen erreicht. Das wäre noch die für sie positive Erklärung. Die weniger freundliche hat mit der Einstellung zur Demokratie zu tun. (Quelle: Blog.Handelsblatt.de/Indiskretion)

Bleibt die Frage, warum derartige Kritik in Deutschland nur in Weblogs zu lesen und zu hören ist und nicht in den althergebrachten Medien.

Donnerstag, 8. Januar 2009

Datenschutz als angeblicher Täterschutz: Wie deutsche Medien sich zum Sprachrohr von Lügenpropaganda des Bundes Deutscher Kriminalbeamter machen

Die Medien sind für mehr getötete Kinder (Stefan-Niggemeier.de)

Ausschnitt:

Außer dem vagen Vergleich mit irgendwelchen älteren Unicef-Schätzungen findet sich in der ganzen Meldung kein Beleg dafür, dass die Zahl gewaltsam getöteter Kinder deutlich gestiegen sei. Die Behauptung widerspricht zudem den von Kriminologen seit Jahren geäußerten Hinweisen, dass die Zahl der Gewaltdelikte gegen Kinder in Deutschland – anders, als es die Berichterstattung der Medien glauben macht – nicht zu-, sondern abnimmt. [...]

Und das "Panorama"-Ressort von "Spiegel Online" unterbrach sogar seine Krisenberichterstattung und meldete:

"Zahl gewaltsam getöteter Kinder steigt

173 Jungen und Mädchen unter sechs Jahren kamen 2007 in Deutschland gewaltsam ums Leben. Experten warnen, dass die Zahl der Kinder, die durch Vernachlässigung und Gewalt sterben, stetig steige – und fordern Veränderungen beim Datenschutz. (...)"

Sie alle sind der PR und dem politischen Kalkül des Bundes Deutscher Kriminalbeamter auf den Leim gegangen. Denn die Angaben, wie sie ahnungslos von ddp verbreitet werden, sind doppelt falsch. Der BDK gibt nicht die Zahl der getöteten Kinder an, sondern zählt auch die versuchten, aber vereitelten Fälle hinzu. Das tut er aber nur bei den Zahlen von 2007 – nicht denen von vor zehn Jahren. Kein Wunder, dass sich so eine Zunahme ergibt. (Quelle: Stefan-Niggemeier.de)

Dienstag, 9. Dezember 2008

Untersuchung beweist: Deutsche Presseagenturen berichteten einseitig über G8-Proteste im Sommer 2007

(Via Annalist) Vertrauensbonus für Polizei in Agenturmeldungen (Agenturjournalismus.de)

Ausschnitt:

Eine Diplomarbeit der Hochschule Bremen hat das hehre Ziel Objektivität mit der Realität der Agenturberichterstattung verglichen. Dazu untersuchte Christian Selz 476 Meldungen und Berichte von dpa, AP, AFP und ddp über die Proteste gegen den G-8-Gipfel in Heiligendamm vom 2. bis 8. Juni 2007. Der nüchtern präsentierte Befund: "Das Verhältnis der Agenturen zur Polizei war deutlich weniger distanziert als ... zur Partei der Demonstranten." (Quelle: Agenutjournalismus.de)

Die DPA berichtete am negativsten über die Demonstranten. Dies wurde ja auch jedem Laien, der aufmerksam die deutschen Tageszeitungen im Mai/Juni 2007 las, auch ohne eine solche detaillierte Untersuchung schon allzu deutlich. Es wurde kolportiert, dass die Leute der DPA vorwiegend in der Nähe der Pressestelle der Polizei rumlungerten, während andere Journalisten sich durchaus auch einmal unter die Demonstranten mischten, um ihre Sicht der Dinge intensiver zu ergründen oder auch um die Meldungen der Pressestelle der Polizei zu hinterfragen. Allzu offensichtlich waren dann auch die Unterschiede zwischen Realität (Proteste relativ friedlich) und Polizeimeldungen (breite Gewaltanwendungen von Seiten vieler Demonstranten)...

Die DPA kann derartig unjournalistisch arbeiten, weil für viele deutschen Medien das Material der DPA einen quasi-heiligen Status hat. DPA-Zeug wird nicht kritisiert oder hinterfragt, sondern als eine Art "Wort Gottes" abgedruckt. Amen.

Mittwoch, 26. November 2008

Viele Deutsche wünschen Fortsetzung der großen Koalition

Umfrage: Deutsche wünschen sich Fortführung der Großen Koalition (Spiegel.de)

Ausschnitt:

Gefragt, mit wem die Union am ehesten eine Regierung bilden sollte, nannten 37 Prozent die Sozialdemokraten. Sogar 46 Prozent der Unions- und zwei Drittel der SPD-Anhänger wollen, dass Schwarz-Rot nach der Wahl weitermacht. (Quelle: Spiegel.de)

SPD und Union sind ja inhaltlich auch nicht mehr zu unterscheiden.

Donnerstag, 20. November 2008

Datenreport 2008: Deutsche unzufrieden über zu wenig Einfluss des Bürgers auf Politik

Datenreport 2008: Wir sind Demokratiemuffel (Frankfurter Rundschau)

Ausschnitt:

Zwar bejahen 89 Prozent der Westdeutschen und 63 Prozent der Ossis die Demokratie ausdrücklich. Doch auf der Skala, wie zufrieden sie sind mit der Demokratie im eigenen Land, stufen sich die Bundesbürger auf Platz 14 der westeuropäischen EU-Staaten und damit im unteren Drittel ein. Fragt man nur die "Ossis", landet Deutschland im Demokratie-Ranking sogar knapp vor Portugal auf dem vorletzten Platz. [...]

Der Frust über die demokratische Praxis sei sogar noch größer als der über das seit Jahren nicht gestiegene Haushaltseinkommen und die weiter auseinanderdriftende Schere zwischen Arm und Reich, so der Report. (Quelle: FR-Online.de)

Ein hochinteressanter Befund! Es ist also eben nicht ein allgemeiner, ungerichteter Politik-Frust oder ein allgemeines Desinteresse oder gar ein allgemeiner Wunsch nach einem "starken Führer" oder dergleichen. Auch der schlichte Wunsch nach "mehr Geld" ist anscheinend nicht der Hauptgrund für die Unzufriedenheit. Sondern es ist wohl die Unzufriedenheit über zu wenig Mitbestimmung und zu wenig politischen Einfluss, der hier aus den Daten spricht. Die Deutschen wollen nicht weniger Demokratie, sondern mehr.

Aber natürlich werden die Politiker der großen Koalition da etwas ganz anderes herauslesen und mit ihrer Deutung - wie immer - die Meinungshoheit in den deutschen Medien besetzen. Also wird der Bericht entweder ignoriert oder bewusst missdeutet werden. Dass die neoliberale Politik von SPD und Union Schuld an dem Desaster ist, wird bestimmt nicht in den etablierten Medien ausgiebig thematisiert werden.

Und genau diese Mechanismen des politischen Geschehens sind es vermutlich, die die Deutschen an ihrer Demokratie zweifeln lassen: Die regierenden Parteien betreiben ganz offen Politik gegen die Mehrheit der Bevölkerung (Stichworte: Gesundheitspolitik, Bildungspolitik, Rentenpolitik, Privatisierungen, also durchgehend die Schwächung der öffentlichen Hand, häufig zu Gunsten einzelner Profiteure in der Privatwirtschaft und die häufige Symbolpolitik, die nur dazu dient, behaupten zu können, etwas getan zu haben) und werden dabei gestützt durch einen überwältigenden Teil der Medien. Wer da keine Zweifel an der Demokratie bekommt, ist senil oder gehört zu den wenigen Profiteuren dieses Systems.

Zu fragen wäre, wie man das deutsche politische System wieder durchgängiger machen könnte und welche Mechanismen nötig wären, um ein Regieren gegen das Volk zu unterbinden und warum sowohl die öffentlich-rechtlichen Medien als auch der Großteil der privaten Medien kein ehrliches Forum der öffentlichen Diskussion mehr darstellen.

Eventuell wäre ein völliger Umbau des demokratischen Systems nötig. Zum Beispiel das Abschaffen der Parteiendemokratie und die Entwicklung eines Wahlsystems, das nur auf der Wahl direkter Abgeordneter beruht - plus einer Komponente, die verhindert, dass dann nur die jeweils siegreichen Kandidaten eines Wahlkreises ins Parlament einziehen. Beispielsweise könnte man die ersten vier Kandidaten eines Wahlkreises ins Parlament einziehen lassen, nur mit dann vermindertem Stimmrecht, gewichtet nach der Prozentzahl der Stimmen, die sie tatsächlich bekommen haben. Dies würde die Kandidaten unabhängiger von den Parteien machen und so auch den Einfluss des Parteienproporz in der Gesellschaft (beispielsweise in den Medien) vermindern. Es käme zu mehr Wettbewerb (bislang hat der Wähler ja nur die Wahl zwischen immer den gleichen vier oder fünf "Kandidaten", nämlich den Parteien) und Offenheit der Politik und zu einer gesteigerten Notwendigkeit der Kandidaten, auf den Wähler zuzugehen. Dies würde die Transparenz der Politik deutlich erhöhen und den Einfluss von Lobbyisten vermindern. Abstimmungen im Parlament müssten zudem immer offen erfolgen. Bündelungen von Abstimmungen wären verboten. Jeder Wähler könnte so sehen, wie "sein" Kandidat sich verhält. Es gäbe keinen Fraktionszwang mehr. Parteien wären nur noch Organisationsplattform und Sammelbecken für politich ähnlich eingestellte Direktkandidaten. Und so weiter.

Dienstag, 28. Oktober 2008

Aktienmarkt hat mit "Spielcasino" nichts zu tun

Finanzspekulation: VW-Aktie explodiert (FR-Online.de)

Ausschnitt:

Ein Lehrstück in Sachen Casino-Kapitalismus gibt es am deutschen Aktienmarkt zu bestaunen. Ein wilder Höhenflug der VW-Aktie hat den Autohersteller am Dienstag zeitweise zum teuersten Unternehmen der Welt gemacht. [...]

Mit dem wahren Wert von Volkswagen haben die Kapriolen längst nichts mehr zu tun. [...]

Inzwischen sind Händlern zufolge auch andere Investoren gezwungen, VW-Aktien zu kaufen - etwa alle Fonds, die ihre Performance am Dax messen. Anderen Aktien würden nun ohne Rücksicht auf Verluste verkauft, nur um Aktien von Volkswagen finanzieren zu können, hieß es. (Quelle: FR-Online.de)

Das ist natürlich Quatsch. Mit einem "Casino"-Spiel hat der Aktienmarkt nichts zu tun. Denn bei jedem Glücksspiel, das in einem Spielcasino angeboten wird, kann der Spieler seine Gewinn- und Verlustchancen genau berechnen. Die höchsten Gewinnchancen gibt es bekanntlich beim Roulette. Die Spielbank gewinnt zwar letztlich immer, aber das weiß jeder Glücksspieler zumindest theoretisch im Vorhinein.

Wer hingegen Aktien kauft, hat absolut überhaupt gar keine Ahnung, wie groß seine Gewinn- und Verlustchancen sind. Und es gibt auch - anders als jene esoterischen Schwachköpfe in den TV-Börsensendungen mit ihrem Fach-Kauderwelsch vorspielen wollen - keinerlei wissenschaftlich fundierte mathematische Methode, um die Gewinn- und Verlustchancen von Aktien zu berechnen.

Spielcasinos sind somit geradezu seriöse Einrichtungen im Vergleich zum Aktienmarkt.

Samstag, 20. September 2008

Der unerwartete Crash: Börsen gebrauchen völlig unzureichende statistische Methoden

The Fourth Quadrant: A Map of the Limits of Statistics (Edge.org)

Nassim Taleb erläutert, warum die statistischen Methoden, die an den Börsern der Welt verwendet werden, um die Risiken von Deals zu berechnen, auf das Geschehen an den Börsen eigentlich nicht angewendet werden können. Das Börsengeschehen unterscheide sich nämlich gänzlich von dem Gebiet, für das die statistischen Verfahren ursprünglich konstruiert wurden. Die statistischen Methoden beschäftigen sich meist mit Verteilungen, bei denen "Ausreißer"-Ereignisse keinen großen Einfluss haben auf die Art und Natur der Verteilung als solche.

An den Börsen jedoch können einzelne, seltene "Ausreißer"-Ereignisse die ganze Natur einer Verteilung verändern. Die herkömmlichen statistischen Methoden basieren jedoch darauf, dass eher die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens vieler kleinerer Ereignisse berechnet wird als die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens eines eklatanten Ausreißer-Ereignisses.

Ausschnitt:

Figure 1 My classical metaphor: A Turkey is fed for a 1000 days—every days confirms to its statistical department that the human race cares about its welfare "with increased statistical significance". On the 1001st day [Thanksgiving Day; Anmerkg. von mir, Solon], the turkey has a surprise. [...]

Figures 1 and 2 show you the classical problem of the turkey making statements on the risks based on past history (mixed with some theorizing that happens to narrate well with the data). A friend of mine was sold a package of subprime loans (leveraged) on grounds that "30 years of history show that the trade is safe." He found the argument unassailable "empirically". And the unusual dominance of the rare event shown in Figure 3 is not unique: it affects all macroeconomic data—if you look long enough almost all the contribution in some classes of variables will come from rare events [...]. (Quelle: Edge.org)

Börsen also als "Casino" zu bezeichnen, ist ein Euphemismus. Denn in einem Casino lassen sich normalerweise die Gewinnchancen genau berechnen - mit den bekannten statistischen Verfahren. An der Börse jedoch lässt sich im Endeffekt das Wesentliche nicht berechnen, weil es dazu gar keine adäquaten Verfahren gibt.

Mittwoch, 16. April 2008

Anstieg "linksextremistischer" Gewalt - Was dahinter steckt

Rechnen (können und wollen) (Annalist)

Annalist macht das, wozu große Teile der deutschen Medienfuzzis nicht mehr in der Lage zu sein scheinen: Dinge in ein Verhältnis zu setzen. Es geht um einen Artikel bei Welt.de und "Welt Kompakt", in dem vor einer dramatischen Zunahme linksextremistischer Gewalt gewarnt wird.

Ausschnitt:

Sowohl Welt-Kompakt als auch die FDP beziehen sich auf den prozentualen Zuwachs der 'politisch motivierten Gewaltdelikte', und die sind tatsächlich von links größer. [...] Im Text des BMI selbst steht, dass drei Großereignisse 2007 eine Rolle spielen für die 'linke Kriminalität': der G8, die deutsche EU-Präsidentschaft und der ASEM-Gipfel. Und dass bei den Rechten Körperverletzung eine größere Rolle spielt, bei Linken aber wesentlich der Landfriedensbruch vorkommt. Dass man sich bei großen Demos leicht einen Landfriedensbruch 'einfängt', ist bekannt und dass also die Zahlen im Jahr des G8 in Heiligendamm steigen, kann gar nicht überraschen. Insbesondere nicht, wenn man sich nochmal vor Augen führt, wie wahllos Menschen festgenommen wurden. Dazu weiter lesenswert "Feindbild Demonstrant" des Republikanischen Anwaltsvereins mit Berichten vom G8. (Quelle: Annalist.Noblogs.org)

Annalist schließt mit dem Satz:
Aufgegriffen hat den Quatsch zum Glück bisher kaum wer, aber die übernehmen dafür die latent demagogische Ansage und titeln zu "linksextremer Gewalt" (Zeit), "Linkskriminalität" (RP-Online) und "Linker Gewalt" (Welt Online). Schön, dass wir so kritische Medien haben. (Quelle: Annalist.Noblogs.org)

Dienstag, 22. Januar 2008

Studie der Hans-Böckler-Stiftung: Reallöhne in Deutschland erneut nicht angestiegen

Reallöhne in Deutschland erneut nicht angestiegen (Tagesschau.de)

Ausschnitt:

In vielen Wirtschaftszweigen haben die Beschäftigten im vergangenen Jahr nicht von der guten Konjunkturlage in Deutschland profitiert. Das ist das Ergebnis einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Demnach seien die Einkommen im Bundesdurchschnitt zwar um 2,2 Prozent gestiegen. Bei einer Inflationsrate von ebenfalls rund 2,2 Prozent hätten die Arbeitnehmer in vielen Branchen jedoch tatsächlich weniger Geld zur Verfügung als im Vorjahr. (Quelle: Tagesschau.de)

Montag, 14. Januar 2008

Jugendkriminalität stieg unter Koch - Täter jedoch überwiegend Deutsche

Kriminalstatistik in Hessen: Die Täter sind Deutsche (Süddeutsche.de)

Ausgerechnet in Hessen unter Koch stieg gegen den bundesweiten Trend die Jugendgewalt enorm an. Die Täter waren dabei jedoch zu 90 Prozent Deutsche.

Dienstag, 8. Januar 2008

Ausländer nicht gewaltbereiter als Deutsche

Nur in Statistik mehr Jugendgewalt (Netzeitung.de)

Ausschnitt:

"Die polizeiliche Kriminalstatistik ist eher eine offizielle Wahrnehmungsstatistik. Wie die Realität aussieht, ist eine ganz andere Frage" [...]. Wird neben der Herkunft auch der soziale Status der Verdächtigen ausgewertet, zeige sich, dass der Migrationshintergrund gar nicht der springende Punkt sei. Alle Menschen aus sozial schwachem Umfeld würden eher kriminell - egal ob Deutsche oder Ausländer. (Quelle: Netzeitung.de)

Freitag, 21. Dezember 2007

Wie die Zusammenführung von Verhaltensdaten zur Ent-Anonymisierung von Internetnutzern führt

Datenschutz-Debakel: Informatiker knacken anonymisierte Datenbank per Web-Suche (Spiegel.de)

Ausschnitt:

Der US-Filmverleiher Netflix veröffentlicht zu Forschungszwecken die Leihgeschichte seiner Kunden - natürlich ohne Namen. Doch Informatiker spüren per Suchsoftware die Klarnamen auf. Sicherheitsexperten warnen: Die Methode funktioniert auch bei Kreditkarten-Betrug. Der Online-DVD-Verleiher Netflix will seinen Kunden und sich etwas Gutes tun: Eine neue Software soll Kunden treffsicherer als bisher Filme auf Basis der Leihgeschichte empfehlen. [...] Zwei Informatikern der University of Texas in Austin ist es gelungen, die von Netflix anonymisierten Daten zum Teil den Klarnamen von Netflix-Kunden zuzuordnen, wie sie in einem Fachaufsatz beschreiben. [...] Die beiden Informatiker haben lediglich ein Programm die Netflix-Datensätze mit den Filmkritiken auf dem Kinoportal "Internet Movie Database" (IMDb) abgleichen lassen. [...] Pfitzmann erklärt: "Indem man Datensätze aus verschiedenen Datenbanken miteinander in Beziehung setzt, kann man ab einer kritischen Menge an Attributen Verhaltensmuster erkennen und Informationen aus einer anonymisierten Datenbank den konkreten Personen in einer anderen zuordnen." (Quelle: Spiegel.de)

Montag, 17. Dezember 2007

Statistikexperte erklärt die Unzulänglichkeiten der Studie zu Leukämiefällen rund um Kernkraftwerke

Leukämiestudie: Ein Statistikexperte erklärt die Messmethoden (Zeit.de)

Ausschnitt:

[Beck-Bornholdt:] Im Prinzip hat man gehandelt wie der "texanische Scharfschütze", von dem in der Statistik viel die Rede ist: Man hat auf ein Scheunentor geschossen und dann die Zielscheibe um die Einschusslöcher herum gezeichnet. In diesem Fall sind dann zwar noch jüngere Fälle in die Studie aufgenommen worden, aber die alten sind dringeblieben. Das ist so, wie wenn der Scharfschütze noch einen zusätzlichen Schuss auf die durchlöcherte Scheibe abgibt und dann sagt: Eigentlich habe ich ganz gut getroffen!

ZEIT: Wird denn hier mit der Statistik getrickst?

Beck-Bornholdt: Nein, die Autoren sagen ganz deutlich, was die Beschränkungen ihrer Arbeit sind. Das wird nur in den Medien nicht unbedingt berücksichtigt. [...] Entscheidend ist, dass man die genaue Konzeption der Studie entwirft, bevor man die Daten kennt. Sonst ist man nur ein "texanischer Scharfschütze". (Quelle: Zeit.de)

Ermittler bei Polizei und Geheimdiensten, die meinen, mit Data-Mining Verdächtige zu finden, gehen übrigens häufig auch so vor wie dieser "texanische Scharfschütze" und so produzieren sie einen falschen Verdächtigen nach dem anderen und ziehen aus ihrer Erfolglosigkeit nur den Schluss, dass ihre Daten immer noch nicht ausreichen würden. Idioten. Alles Idioten.