Freitag, 21. November 2008

Schäuble findet Demokratie nicht gut

Wegen Gezerre um BKA-Gesetz: Schäuble fordert neue Regeln für den Bundesrat (Netzeitung.de)

Der kurze, kleine Einleitungssatz der Netzeitung zur Meldung sagt alles, was dazu zu sagen ist:

Ein wichtiges Projekt des Innenministers droht in der Länderkammer zu scheitern. Doch anstatt die Meinungsbildung zu beeinflussen, will Schäuble die Spielregeln ändern. (Quelle: Netzeitung.de)

Man merkt: Es geht beim BKA-Gesetz nicht um überzeugende Inhalte, sondern um die pure Machtausweitung der Exekutive. Das BKA-Gesetz an sich ist ein Angriff auf die Demokratie und Gewaltenteilung. Insofern ist der Angriff auf die Unabhängigkeit des Bundesrates nur logisch.

Kapitalisten würden in somalische Piraten investieren

(Via The Big Picture) Venture Capitalists Invest in Somali Pirates (The Daily Mash)

Ausschnitt:

VENTURE capitalists in New York and London are pumping millions of dollars into Somalia's booming pirate sector.

The sharp-eyed investors say Indian Ocean piracy has replaced Bangladeshi t-shirt factories as the developing world's strongest source of high-growth revenue streams.

Julian Cook, head of strategy at Porter, Pinkney and Turner (PPT), said: "The margins are very impressive. These guys can board a Chinese freighter or Saudi oil tanker and turn it around in less than a week. Usually without killing anyone. [...]" (Quelle: TheDailyMash.co.uk)

Das Ganze ist natürlich eine Satire. Aber aus rein kapitalistischer Sicht wäre solch ein Investment durchaus logisch. In einer Welt ohne jegliche Regulierungen, in der nur die "wunderbaren" Kräfte des freien Marktes wirksam wären, müsste man unbedingt in somalische Piraten investieren. Denn sonst würde es jemand anderes machen und damit dann riesige Gewinne machen und einen später aufkaufen...

Bild.de: US-Banken wurden gezwungen, an Arme Kredite zu geben; US-Bankenwelt als Caritas

Hinweise des Tages, 21. November 2008 um 9:30 Uhr (NachDenkSeiten.de)

Die NachDenkSeiten verweisen unter Nr. 12 auf einen Artikel bei Bild.de, in dem die "Sozialpolitik" der USA verantwortlich gemacht wird für die weltweite Finanzkrise. Weil es in den USA ein Gesetz gibt, das die Banken aufmuntert, mehr Kredite für Immobilien zu vergeben, wäre daraus die weltweite Finanzkrise entstanden. Wolfgang Lieb kommentiert diesen Schwachsinn so:

Die kriminellen Kettenbriefe, die Kreditderivate alles nur Folge der Sozialpolitik? Die armen Banken waren sozusagen von der Politik gezwungen, den Leuten Hypotheken anzudrehen. Die ganze Bankenwelt nur eine große Caritas und die Investmentbanker wollten nur das Beste für die armen Leute. (Quelle: NachDenkSeiten.de)

Oettinger wird übernächster Bundeskanzler

Dümmer als die Bayern, mieser als die CSU (Rebellen ohne Markt)

Ausschnitt:

es gewährt der Herr Öttinger aus Baden-Württemberg mit seiner schwäbischen Landesbank doch tatsächlich dem steuervermeidenden Milliardär Merckle einen Überbrückungskredit nach seiner gescheiterten Privatzockerei. Aber wer einen Filbinger zum Widerständler stilisiert, glaubt sicher auch an den ehrenwerten Geschäftsmann und dessen lautere Absichten.

Ganz ehrlich: Mit so einem Regime im Westen und der drohenden, von hessischen Idioten gewählten Stahlhelmunterdrückung im Nordwesten bin ich inzwischen wirklich froh, im relativ normalen Bayern zu wohnen. (Quelle: Rebellmarkt.Blogger.de)

Oettinger ist längst hinter den Kulissen als der übernächste Bundeskanzler ausgemacht, bestimmt und beschlossen. Gut, vielleicht nicht hinter den Kulissen der CDU, aber hinter den Kulissen derjenigen Leute, die das wirklich Sagen in diesem Land haben.

Regt sich in den Medien etwa große Verwunderung über das, was Oettinger tut? Woher kommt wohl dieses Fehlen von Kritik, scharfer Kritik wohlgemerkt?

Ende der Terror-Hysterie in Deutschland? Welche Terror-Hysterie?

Das Ende von 9/11 (Zeit.de)

Heinrich Wefing meint, dass die Hysterie rund um Terrorismus endlich vorbei sei und nun die Innenpolitiker wieder vernünftig würden und deshalb auch das BKA-Gesetz scheitern werde.

Glaube ich nicht. In Deutschland gab es nämlich nie eine Sicherheitshysterie. Es gab zu keiner Zeit lauthalse Bürgerbewegungen, Leserbriefe, sonstige Aufforderungen aus der Gesellschaft heraus an die Politiker, mehr für die Sicherheit zu tun. Die ganze sogenannte "Hysterie" wurde nur von den Innenpolitikern selbst groß geredet, geschauspielert.

Diese geschauspielerte "Hysterie" war nicht Grund der neuen "Sicherheitsgesetze", sondern ein Mittel, um längst geplante Gesetze, die der Exekutive mehr Macht geben sollen, politisch durchsetzen zu können.

Deshalb wird es auch kein Ende nehmen mit weiteren Gesetzesinitiativen, die zum Ziel haben, der Exekutive mehr unkontrollierte Macht und Einfluss zu geben. Das liegt in der Natur der Exekutive. Und da es in Deutschland keine Gewaltenteilung zwischen Legislative (Parlament) und Exekutive (Regierung) gibt, bleibt auch weiterhin als die einzige Verteidigungslinie das Bundesverfassungsgericht.

Theoretisch gäbe es noch die öffentliche Meinung als weitere Verteidigungslinie. Schließlich muss sich das Konglomerat aus Exekutive und Legislative alle vier Jahre einer Wahl stellen. Aber die vergangenen Jahre zeigen, dass die Bevölkerung wunderbar von unseren unkritischen, depperten oder vielleicht sogar korrupten Medien dumm gehalten werden konnte.

Donnerstag, 20. November 2008

Die Buchstabenfolge "Slysoft.com" ist legal, die Buchstabenfolge "a href="http://www.slysoft.com" ist illegal

OLG München bestätigt Link-Verbot gegen Heise (Heise.de)

Ausschnitt:

Danach bleibt es dem Verlag verboten, im Rahmen der redaktionellen Berichterstattung über Kopierschutzsoftware einen Link auf die Webpräsenz des Unternehmens Slysoft zu setzen. (Quelle: Heise.de)

Jetzt soll der Heise-Verlag sogar nicht mehr nur Mitstörer sein, sondern Teilnehmer einer Urheberrechtsverletzung in Form der Beihilfe.

Wegen des Setzens eines Links zur Homepage einer Firma, über die berichtet wird.

Mir läuft es kalt über den Rücken. Was für ein absurdes Fehlurteil. Die Pressefreiheit wird also eingeschränkt, weil die Möglichkeit besteht, dass ein Leser durch den eingefügten Link einige Sekunden schneller auf die Homepage von Slysoft.com gelangte, um dort eventuell eine Software käuflich zu erwerben, die teilweise Funktionen enthält, die den Kopierschutz von Software umgehen.

Der Heise-Verlag ist also schuldig, weil ein Leser eventuell illegal handeln können wollte und man diesem Leser durch die Linksetzung sein illegales Vorhaben erleichterte, weil der Leser sich so den Umweg über eine Suchmaschine ersparte oder ihm ersparte "Slysoft.com" selbsttätig in seinem Browser einzutippen.

Einem Link, also die Zeichenfolge "a href=", die aus normalem Text einen anklickbaren Link macht, scheint für das Gericht eine Art mystische Kraft innezuwohnen, die aus der Nennung des Namens "Slysoft.com" eine "vorsätzliche Unterstützung der Rechtsverletzung" macht.

Mit einer aufgeklärten Gesellschaft hat dieses Urteil nichts gemein. Es ist im Gegenteil Zeichen einer gefährlichen Abwesenheit von Vernunft.

DPA verbreitet PR-Meldung der Berliner Staatsanwaltschaft anscheinend ungeprüft: Operation "Himmel" sei voller Erfolg

Aktion Himmel: Keine Verurteilungen, aber ein Erfolg (Lawblog.de)

Die DPA verbreitet derzeit anscheinend eine Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Berlin ohne jegliche kritische Distanzierung oder kritische Anmerkungen oder weiterführende kritische Informationen, nach der die sogenannte "Aktion Himmel" gegen angebliche Kinderpornografie-Besitzer ein voller Erfolg gewesen sei.

Seltsam ist nur, dass auch nach einem Jahr keiner der Verdächtigen verurteilt wurde und im Gegenteil viele Verfahren eingestellt wurden und gar Hausdurchsuchungen im Rahmen dieser Operation als unrechtmäßig von Gerichten abgeurteilt wurden.

Ausschnitt:

In gut einem Jahr ist es also nicht gelungen, den Rechner auch nur eines einzigen Beschuldigten auszuwerten und ihn wegen der Sache vor Gericht zu bringen?

Vielleicht gibt es auch andere Erklärungen. Zum Beispiel die wohlweislich verschwiegene Tatsache, dass die weitaus meisten vom Berliner Landeskriminalamt als kinderpornografisch eingestuften Bilder auf den Berliner Servern überhaupt keine waren, sondern nichtpornografische Nacktbilder.

Oder liegt es daran, dass es nicht einmal gutgläubigen deutschen Richtern zu vermitteln ist, dass eine oftmals nur Sekunden dauernde Verbindung zum Server und das (automatische) Herunterladen von Thumbnails ein Beleg für den vorsätzlichen Bezug von Kinderpornografie sein sollen. (Quelle: Lawblog.de)

Und unsere bescheuerten, bekloppten, ahnungslosen deutschen Medien drucken die PR-Meldung der Staatsanwaltschaft einfach ab. Klar, kam ja auch via DPA. Und DPA-Meldungen muss man ja nicht prüfen.

Der "Hamburger Appell": Hochnäsiges, neoliberales Geseiere von 2005

Peinliche Appelle (Weissgarnix.de)

F. Luebberding stellt das peinliche, hochnäsige Geseiere der Anhänger der neoliberalen Religion bloß.

Ausschnitt:

Vor der Bundestagswahl im Jahr 2005 veröffentlichten mehr als 100 deutsche Volkswirte den sogenannten Hamburger Appell. Er war eine Aufforderung an die Politik mit ihren sogenannten Reformanstrengungen fortzufahren - und sogar noch das Tempo zu verschärfen. [...]

Er war mit der Arroganz einer Kaste formuliert, die meinte an der Dummheit ihrer Mitbürger verzweifeln zu müssen. Es sind noch nicht einmal die wirtschaftspolitischen Positionen gewesen, die einen in der Rückschau bestürzen. Eher manche Formulierungen. Die Ökonomen, die diesen Appell unterschrieben, redeten mit ihren Mitbürgern wie Erwachsene selbst mit kleinen Kindern nicht reden sollten. (Quelle: Weissgarnix.de)

Die eigentlichen Empfänger dieses "Hamburger Appells" waren jedoch nicht die Bürger, sondern natürlich vorrangig Journalisten. Und Journalisten in Deutschland, gerade in den Wirtschaftsredaktionen, sind tatsächlich kleine Kinder. Das muss man zumindest aus ihrem Geschreibsel oftmals schließen.

Reaktionen der Politik auf Kritik am BKA-Gesetz

BKA-Gesetz: Schäuble relativiert die Terrorgefahr (Heise.de)

Der Artikel stellt schön die Reaktionen der unterschiedlichsten Politiker auf Kritik am vom Bundestag beschlossenen BKA-Gesetz zusammen:

Vertreter der Union machen alle, die gegen das Gesetz sind, mitverantwortlich für Terroranschläge. Struck greift auf ein halbseidenes und mit Lügen durchsetztes "Argumentations"-Papier der SPD-Fraktion zurück. Nur außerhalb der SPD-Bundestragsfraktion regt sich mehr und mehr Widerstand gegen das BKA-Gesetz bei der SPD.

Fazit: Schon seltsam, wie erst jetzt nach Verabschiedung des Gesetzes im Bundestag Gegenstimmen aus der SPD hörbar werden.

Blackbox Strafvollzug: Was wird aus den Eingesperrten?

Strafvollzug in Deutschland: Im Keller der Gesellschaft (Süddeutsche.de)

Heribert Prantl nimmt sich eines wichtigen Themas an, das wie kaum ein anderes Thema in Deutschland verdrängt wird: Die Bedingungen im Strafvollzug und die Folgen daraus für die Gesellschaft.

Ausschnitt:

Wer in Deutschland in Haft gerät, landet in einer Blackbox. Doch Strafvollzug und Resozialisierung müssen ein Thema sein. Denn es gilt der Satz: Morgen sind sie wieder Nachbarn! (Quelle: Sueddeutsche.de)

Deutsche Telekom spitzelte umfassend Menschen aus - Viele fragen sich, was dieser Konzern sonst noch so getrieben hat

Spitzel-Affäre bringt Obermann in Not (Frankfurter Rundschau)

Ausschnitt:

60 Menschen sollen nach Angaben der Behörde ausgespäht worden sein, darunter auch konzernfremde Personen und selbst Kinder von Aufsichtsräten. [...]

In Gewerkschaftskreisen wird inzwischen Böses vermutet: Nicht nur Verbindungsdaten seien ausgewertet worden, sondern die Telekom hat möglicherweise auch Telefonate direkt abgehört. (Quelle: FR-Online.de)

Ob letztlich auch Gespräche abgehört wurden oder nicht spielt eigentlich kaum noch eine Rolle. Das kriminelle Treiben innerhalb dieses Konzerns ist eh schon groß genug, um jegliches Vertrauen in diesen Konzern verloren zu haben. Und Journalisten sollten sich womöglich hüten, öffentlich oder im Freundeskreis bekannt zu geben, dass sie ihren Telekom-Anschluss immer noch nicht gekündigt haben. Schiefes Ansehen könnte die Folge sein.

Seltsam auch, dass die Telekom immer noch bei öffentlichen Aufträgen mitmischen kann.

Datenreport 2008: Deutsche unzufrieden über zu wenig Einfluss des Bürgers auf Politik

Datenreport 2008: Wir sind Demokratiemuffel (Frankfurter Rundschau)

Ausschnitt:

Zwar bejahen 89 Prozent der Westdeutschen und 63 Prozent der Ossis die Demokratie ausdrücklich. Doch auf der Skala, wie zufrieden sie sind mit der Demokratie im eigenen Land, stufen sich die Bundesbürger auf Platz 14 der westeuropäischen EU-Staaten und damit im unteren Drittel ein. Fragt man nur die "Ossis", landet Deutschland im Demokratie-Ranking sogar knapp vor Portugal auf dem vorletzten Platz. [...]

Der Frust über die demokratische Praxis sei sogar noch größer als der über das seit Jahren nicht gestiegene Haushaltseinkommen und die weiter auseinanderdriftende Schere zwischen Arm und Reich, so der Report. (Quelle: FR-Online.de)

Ein hochinteressanter Befund! Es ist also eben nicht ein allgemeiner, ungerichteter Politik-Frust oder ein allgemeines Desinteresse oder gar ein allgemeiner Wunsch nach einem "starken Führer" oder dergleichen. Auch der schlichte Wunsch nach "mehr Geld" ist anscheinend nicht der Hauptgrund für die Unzufriedenheit. Sondern es ist wohl die Unzufriedenheit über zu wenig Mitbestimmung und zu wenig politischen Einfluss, der hier aus den Daten spricht. Die Deutschen wollen nicht weniger Demokratie, sondern mehr.

Aber natürlich werden die Politiker der großen Koalition da etwas ganz anderes herauslesen und mit ihrer Deutung - wie immer - die Meinungshoheit in den deutschen Medien besetzen. Also wird der Bericht entweder ignoriert oder bewusst missdeutet werden. Dass die neoliberale Politik von SPD und Union Schuld an dem Desaster ist, wird bestimmt nicht in den etablierten Medien ausgiebig thematisiert werden.

Und genau diese Mechanismen des politischen Geschehens sind es vermutlich, die die Deutschen an ihrer Demokratie zweifeln lassen: Die regierenden Parteien betreiben ganz offen Politik gegen die Mehrheit der Bevölkerung (Stichworte: Gesundheitspolitik, Bildungspolitik, Rentenpolitik, Privatisierungen, also durchgehend die Schwächung der öffentlichen Hand, häufig zu Gunsten einzelner Profiteure in der Privatwirtschaft und die häufige Symbolpolitik, die nur dazu dient, behaupten zu können, etwas getan zu haben) und werden dabei gestützt durch einen überwältigenden Teil der Medien. Wer da keine Zweifel an der Demokratie bekommt, ist senil oder gehört zu den wenigen Profiteuren dieses Systems.

Zu fragen wäre, wie man das deutsche politische System wieder durchgängiger machen könnte und welche Mechanismen nötig wären, um ein Regieren gegen das Volk zu unterbinden und warum sowohl die öffentlich-rechtlichen Medien als auch der Großteil der privaten Medien kein ehrliches Forum der öffentlichen Diskussion mehr darstellen.

Eventuell wäre ein völliger Umbau des demokratischen Systems nötig. Zum Beispiel das Abschaffen der Parteiendemokratie und die Entwicklung eines Wahlsystems, das nur auf der Wahl direkter Abgeordneter beruht - plus einer Komponente, die verhindert, dass dann nur die jeweils siegreichen Kandidaten eines Wahlkreises ins Parlament einziehen. Beispielsweise könnte man die ersten vier Kandidaten eines Wahlkreises ins Parlament einziehen lassen, nur mit dann vermindertem Stimmrecht, gewichtet nach der Prozentzahl der Stimmen, die sie tatsächlich bekommen haben. Dies würde die Kandidaten unabhängiger von den Parteien machen und so auch den Einfluss des Parteienproporz in der Gesellschaft (beispielsweise in den Medien) vermindern. Es käme zu mehr Wettbewerb (bislang hat der Wähler ja nur die Wahl zwischen immer den gleichen vier oder fünf "Kandidaten", nämlich den Parteien) und Offenheit der Politik und zu einer gesteigerten Notwendigkeit der Kandidaten, auf den Wähler zuzugehen. Dies würde die Transparenz der Politik deutlich erhöhen und den Einfluss von Lobbyisten vermindern. Abstimmungen im Parlament müssten zudem immer offen erfolgen. Bündelungen von Abstimmungen wären verboten. Jeder Wähler könnte so sehen, wie "sein" Kandidat sich verhält. Es gäbe keinen Fraktionszwang mehr. Parteien wären nur noch Organisationsplattform und Sammelbecken für politich ähnlich eingestellte Direktkandidaten. Und so weiter.

EU-Militär: Schiffe werden geschützt, Menschen nicht

Von Waren und Menschen (Frankfurter Rundschau)

Für den Schutz des Warenverkehrs sind die europäischen Staaten sofort bereit, ihre Militärmaschine in Gang zu setzen, um Schiffe gegen Piraten zu schützen. Die Menschen im in der Nähe liegenden Land jedoch würden ebenso Schutz verdienen, schreibt Leitartikler Thomas Kröter.

Es sei schwer zu begründen, warum die Deutschen und andere Europäer in einer Reihe von Krisengebieten engagiert seien, dem Geschehen im Kongo aber weitgehend bloß zuschauten, hat Bundespräsident Horst Köhler gerade angemerkt. Stimmt. An der (mangelnden) Stärke der Bundeswehr kann es jedenfalls nicht liegen. Von ihren 250 000 Soldatinnen und Soldaten befinden sich gerade mal 7100 im Auslandseinsatz. (Quelle: FR-Online.de)

TV-Tipp: WDR-Doku heute Abend: Deutschlands Abschiebung von Jugendlichen erinnert an Nazi-Zeiten

Nicht kindgerecht: WDR-Doku über Asyl (Frankfurter Rundschau)

Die Frankfurter Rundschau empfiehlt (indirekt) die WDR-Doku "Die Geduldeten" anzuschauen. Sendetermin: WDR, 23.15 Uhr, 20.11.2008.

Hintergrund der Doku: Deutschland schiebt - anders als die UN-Konvention zu Kinderrechten es vorsieht - bereits Jugendliche ab 16 Jahren ab.

Ausschnitt:

Dabei wird sichtbar, wie das unmittelbare Umfeld, Jugendämter und Heimleiter, wohl Verständnis für das Schicksal der Flüchtlinge aufbringen, wie aber die Ausländerbehörden ihre Aufgabe vor allem darin sehen, die Festung Deutschland dicht zu machen, etwa, indem sie die Asylbewerber nicht kindgerecht behandeln, so dass ein Priester eine Befragung sogar als "pervers" schildert. Diese Art von Pflichterfüllung deutscher Beamten erinnert dann doch an unselige Zeiten. (Quelle: FR-Online.de)

Auch an diesem Beispiel wird wieder einmal deutlich, dass das Gerede vom "Jugendschutz" von unseren Politikern eigentlich überhaupt nicht ernst gemeint ist, sondern nur eine Phrase ist, die sie nach Belieben und je nachdem wie es gerade taktisch passt, um irgendwelche Vorhaben durchzusetzen, verwenden.

Mittwoch, 19. November 2008

Internationaler Journalistenverband attackiert Deutschen Fußballbund scharf wegen dessen Lügen- und Rufmordkampagne gegen Journalisten

(Via Stefan-Niggemeier.de) EFJ Condemns German Football Bosses' Attack on Reporter (International Federation of Journalists)

Ausschnitt:

On 14 November the DFB issued a press release, containing no less than 18 errors of fact and distortions according to the journalist, and which he says aims to destroy his journalistic reputation and to stifle his criticism of the administration of football and Olympic sport in Germany. (Quelle: IFJ.org)

Monty Python mit eigenem Youtube-Kanal

(Via Medienrauschen) Monty Pythons Youtube Channel (Youtube.com)

Ausschnitt:

For 3 years you YouTubers have been ripping us off, taking tens of thousands of our videos and putting them on YouTube. Now the tables are turned. It's time for us to take matters into our own hands. (Quelle: Uk.Youtube.com/user/MontyPython)

Vermutlich steckt dahinter eine Verschwörung, um die Rückkehr des Kommunismus zu verhindern. Ich sage nur: Bicycle Repairman!

Neurowissenschaft und Medien: Die Erkenntnisgrenzen neuer bildgebener Verfahren sind Medien nicht bewusst

Bullies Like Bullying (Slate.com)

Der Artikel kritisiert, wie der Erkenntnisgewinn bei wissenschaftlichen Studien, die neue bildgebende Verfahren einsetzten wie zum Beispiel die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRI) ("Gehirnscan"), von den Medien häufig maßlos überschätzt wird. Der Artikel enthält viele Links zu derartigen Medienberichten und Links zu Artikeln, die den Mythos rund um die "Gehirnscans" kritisch analysieren.

Digitalfotos entlarven Kameramodell auch ohne Exif-Daten

Digital images contain their maker's mark (New Scientist)

Ausschnitt:

Nasir Memon and his team at the Polytechnic University in Brooklyn, New York, have discovered how to work backwards from neighbouring pixel values in a photo to identify the model-specific demosaicing algorithm that created it. (Quelle: NewScientist.com)

Landesmedienanstalten beschließen, dass nun auch Minderjährige bei Abzock-TV-Call-In-Shows mitmachen dürfen

Satzung verhindert Call-TV-Abzocke: Die fetten Jahre sind vorbei (Taz.de)

Die Abzocksender bekommen ein neues Regelwerk vorgesetzt. Vermutlich werden schnell Tricks gefunden werden, um die erhoffte Wirkung der Regeln ins Leere laufen zu lassen. Eine neue Regelung dagegen benötigt gar keine Tricks, um vorteilhaft zu sein für die Abzocksender: dass jetzt auch Minderjährige zocken dürfen.

Große Sorgen mache ich mir auch um den psychischen Gesundheitszustand der für diese Regelungen verantwortlichen Leute der Landesmedienanstalten.

PISA als Alibi: Politiker nutzen PISA-Ergebnisse ungerechtfertigterweise, um alte Vorhaben politisch durchzuboxen

Kultusministern & Pisa: Wie es euch gefällt (Taz.de)

Pisaforscher K.-J. Tillmann zeigt, dass die Kultusminister die PISA-Ergebnisse nicht ernst nehmen. Mit meinen Worten: Die Kultusminister machen aus PISA ein Tammtamm, ein Theaterstückchen, das schlicht und einfach ablenken soll davon, dass sie alte, eigene politische Vorhaben durchsetzen wollen und nun so tun, als ob diese politischen Vorhaben irgendwie mit und durch PISA gerechtfertigt werden. Das erinnert an die Regentänze und Schamanen-Rituale in Afrika. Und wir alle schauen gebannt zu und lassen uns einlullen von dem Kultusminister-Singsang.

Ausschnitt:

[...] es ist ziemlich egal, was genau in den Studien steht. Die Politik nutzt die Aufregung um die Studie, um lange auf Halde liegende Vorhaben durchzuboxen. Ein Beispiel dafür sind etwa zentrale Abschlussprüfungen - die mit nichts aus Pisa ableitbar wären, die von der Politik aber allenthalben als famoses Mittel gepriesen wurden. (Quelle: Taz.de)

Die Tricksereien der Kultusminister mit den PISA-Ergebnissen wird demnächst noch einfacher, weil der innerdeutsche PISA-Vergleich demnächst direkt unter dem Einfluss der Kultusminister durchgeführt werden wird.

Nicht nur ein unabhängiger Pisaforscher berichtete der taz, wie stark der Druck bereits jetzt war. So hätten die Kultusminister immer wieder darauf gedrungen, die seltsamen sozialen Abhängigkeiten bei den Pisaergebnissen wegzulassen - oder sie unauffälliger zu präsentieren. (Quelle: Taz.de)