Mittwoch, 20. Mai 2009

Neue Studie: Gefährliches US-Raketenabwehrsystem in Europa

"Europa könnte zum Schlachtfeld werden" - US-russische Studie: Raketenabwehr wäre gegen Angriffe aus dem Iran wirkungslos, Russlands Bedenken teilweise berechtigt (Der Standard)

Zitat:

Eine am Dienstag veröffentlichte Studie des renommierten EastWest Institute über mögliche Bedrohungen aus dem Iran kommt zu dem Ergebnis, dass das in Polen und Tschechien geplante Raketenabwehrsystem gegen einen Angriff aus dem Golfstaat weitgehend wirkungslos wäre. An dem auf ein Jahr angelegten Projekt waren russische und amerikanische Wissenschafter und Militärs, darunter der ehemalige US-Verteidigungsminister William J. Perry, beteiligt. (Quelle: DerStandard.at)

Vor allem Raketen aus Russland könnten gut abgefangen werden, nicht jedoch Raketen, die aus dem Iran kommen. Das Abwehrsystem bedroht somit die Zweitschlagfähigkeit Russlands und destabilisiert somit das "Gleichgewicht des Schreckens". Bei einem Erstschlag Russlands wäre hingegen Europa erstes Ziel, um die Raketenabwehr gänzlich auszuschalten.

Ich vermute ja eh, dass das bislang konzipierte Raketenabwehrsystem bald technisch überholt ist. Gegen Raketenstarts im Iran könnten jedoch direkt in der Nähe der Abschussbasen dauerhaft kreisende Stealth-Drohnen das Mittel der Wahl sein.

Dienstag, 19. Mai 2009

Umgang des Verfassungsschutzes mit Linkspartei zeigt: Verfassungsschutz handelt unseriös und ist abhängiges Machtinstrument von SPD und Union

Schäuble sieht Wald vor lauter Linken nicht (Süddeutsche Zeitung)

Zitat:

Die Linke ist wegen ihrer Kapitalismuskritik unter Beobachtung. Nach dieser Logik müssten auch Köhler, von Beust und Müntefering Erwähnung im Bericht finden. (Quelle: Sueddeutsche.de)

Ganz große Angst hat der Verfassungsschutz zum Beispiel vor Sahra Wagenknecht, Europa-Abgeordnete der Linkspartei. Sie soll nämlich gesagt haben:
"Wir wollen den Kapitalismus überwinden, das steht fest. Wir wollen das Privateigentum an den Produktionsmitteln zurückdrängen." Außerdem habe Wagenknecht auf die Frage, ob sie den BMW-Konzern enteignen würde, geantwortet mit : "Ja, (...)". (Quelle: Sueddeutsche.de)

Die Süddeutsche Zeitung stellt dazu fest, dass dann auch die gesamte Bundesregierung, vor allem aber die SPD und auch die katholische Kirche sofort vom Verfassungsschutz beobachtet werden müssten, wenn solche Sätze ausreichen, um geheimdienstlich ausspioniert zu werden in Deutschland. Schließlich betreibt die Bundesregierung gerade ebenfalls die Enteignung und staatliche Übernahme von Banken und Firmen und viele gesellschaftliche Gruppierungen üben massive Kritik am derzeitigen Hyper-Kapitalismus.

Montag, 18. Mai 2009

Schmutziger Journalismus mag "saubere" Länder

SPIEGEL spinnt (Teil 1416, zirka) - und sieht Singapur als "Musterland" mit einer idealtypischen professionellen Regierung (Der Morgen)

Wie Spiegel.de Singapur als "Musterland", "Paradies" und "Trauminsel" beschreibt und die "stabilen politischen Verhältnisse" lobt sowie die "professionelle Regierung".

Mir kommt das Kotzen. Und damit hätte ich im hygienisch sauberen Singapur wohl nichts verloren, wie man zum Beispiel im Jahrebericht 2008 von Amnesty International erfahren darf, auf den "John Dean" in seinem oben verlinkten Weblog-Artikel hinweist.

Deutsche Telekom soll ebenfalls Bankdaten ausgespäht haben

Noch mehr Überwachung: Telekom spähte auch Bankdaten aus (Taz.de)

Wie bei der Deutschen Bahn steht nun auch bei der Deutschen Telekom der durch Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft begründete Verdacht im Raum, dass auch Bankdaten von Mitarbeitern, Angehörigen und Dritten überwacht wurden. Wie umfangreich und ob auch tatsächliche Kontobewegungen überwacht wurden, also es tatsächlich auch Einblicke in Kontostand und Überweisungen gab, ist der Presse anscheinend noch nicht bekannt.

Und mir ist nicht bekannt, warum das Handelsblatt seine exklusive Meldung online nicht prominenter platziert, sondern nur diesen wenig informativen Kasten bringt (weshalb ich hier auch zur Taz verlinke).

Botnetze als Zankapfel der Geheimdienste

Analyse: Atomraketen gegen Datensaboteure (Futurezone.ORF.at)

Erich Moechel vermutet, dass die wenigen großen, von Kriminellen aufgebauten Botnetze, die es gibt, längst von Geheimdiensten aus Russland, China und den USA genutzt werden. Probleme gäbe es nur damit, dass es innerhalb der Geheimdienste beispielsweise in den USA zu wenig Koordination gäbe und so der Abwehr-Teil der US-Geheimdienste oftmals Botnetze bekämpfe, die der andere Teil der US-Geheimdienste längst für seine Zwecke nutze.

Fazit: Noch ein Grund mehr, Linux zu helfen, besser zu werden, damit es mehr Verbreitung findet und so weniger von Geheimdiensten gesteuerte Windows-Zombies im Netz unterwegs sind.

Verheugen: "Deutschland war Weltmeister in riskanten Bankgeschäften"

EU-Kommissar Verheugen: "Weltmeister in riskanten Bankgeschäften" (Süddeutsche Zeitung)

Verheugen kritisiert die typisch deutsche, also schlampige Finanzaufsicht und gibt ihr eine Mitschuld, warum die Banken hierzulande so massiv wie nirgends sonst auf der Welt Schrottpapiere gekauft haben. Außerdem fordert er den Mindestlohn und mehr Plebiszite auf EU-Ebene.

Zitat:

Deutschland war Weltmeister in riskanten Bankgeschäften. Nirgendwo auf der Welt, auch nicht in Amerika, haben sich Banken mit größerer Bereitschaft in unkalkulierbare Risiken gestürzt, allen voran die Landesbanken. Das hat jetzt dramatische Folgen für den deutschen Steuerzahler. (Quelle: Sueddeutsche.de)

Stattdessen will die CSU jedoch bekanntlich die Bankenaufsicht noch weniger kontrollieren lassen - beispielsweise durch die weitere Beschränkung von Auskunftsersuchen von Bürgern nach dem Informationsfreiheitsgesetz.

Armut hat sich in weiten Teilen Deutschlands strukturell festgesetzt

Armutsatlas: Deutschland, tief zerrissen (Süddeutsche Zeitung)

Der Paritätische Gesamtverband veröffentlicht zum ersten Mal seinen Armutsatlas.

Zitat:

Für Schneider zeigt die Auswertung, dass "Deutschland sozial und regional tief zerrissen ist". In vielen Regionen gebe es einen "Teufelskreis der Verarmung". Ohne rasches und gezieltes Gegensteuern sei die Verödung ganzer Landstriche nicht mehr aufzuhalten.

Schneider forderte, den Hartz-IV-Regelsatz von derzeit 351 auf 440 Euro zu erhöhen und die Konjunkturprogramme stärker regional auszurichten.
Fördermittel dürften nicht länger wie bei der Abwrackprämie "mit der Gießkanne verteilt" werden. (Quelle: Sueddeutsche.de)

Höchste Zeit, dass die Neoliberalalas mal wieder einen ihrer "Ländervergleiche" raushauen und den Bundesländern Noten vergeben und mitteilen, dass das arme Mecklenburg-Vorpommern einfach zu wenig aus seinen Möglichkeiten mache und die Politik dort unbedingt weniger regulativ eingreifen müsse, damit sich der freie Markt besser entfalten könne...

Was die manipulative Umfrage der "Deutschen Kinderhilfe" zur Internetzensur verschweigt: Löschen statt Sperren wäre die Lösung

Internet-Sperren: Kampf um die Meinungshoheit (Frankfurter Rundschau)

Die "Deutsche Kinderhilfe" führte eine Umfrage zu Internetsperren gegen Kinderpornografie durch. Die Frankfurter Rundschau erläutert kurz, warum die verwendete Fragestellung manipulativ war.

Zitat:

Das Institut fragte zunächst: "Die Bundesregierung plant ein Gesetz zur Sperrung von kinderpornografischen Seiten im Internet. Kritiker befürchten eine Zensur und bezweifeln die Wirksamkeit solcher Sperren. Befürworter betonen dagegen, dass solche Sperren eine sinnvolle und wirksame Maßnahme im Kampf gegen die Verbreitung solcher Bilder sind. Wie sehen Sie das: Sind Sie für ein Gesetz zur Sperrung kinderpornografischer Seiten im Internet oder dagegen?" (Quelle: FR-Online.de)

Man kann vielleicht drüber streiten, ob die Verwendung von Wörtern wie "befürchten" und "bezweifeln" als Beschreibung der Gegenposition schwächer wirken als das Wort "betonen" als Charakterisierung der Pro-Position.

Aber meiner Meinung nach zeigt die Umfrage auf jeden Fall eines: Dass nur wenige der Befragten wissen, worum es eigentlich geht. Ausreichende Erläuterungen und Hintergrundinfos enthielt die Umfrage anscheinend nicht. Somit ist die von der "Deutschen Kinderhilfe" als "Internetliebhaber" bezeichnete Anti-Netzzensur-Fraktion vermutlich einfach der Teil der Bevölkerung, der versteht, worum es geht.

Befragung von US-Teenagern zu ihrer Internetnutzung: Teenager leben online in ihrer Freundes-Welt

(Via BoingBoing.net) Answers to questions from Twitter on teen practices (Zephoria.org)

Was doch eine kleine Befragung von Teenagern in den USA und eine kurze Zusammenschau der Antworten alles für interessante Einblicke liefert. Aber auch die per Twitter gesammelten Fragen geben Aufschluss über so manche kruden Vorstellungen der Erwachsenen über Teenager.

Die Antworten machen deutlich, wie stark das soziale Leben von Teenagern durch das Internet geprägt ist. Das Internet ist in den USA längst selbstverständlicher Teil ihres Lebens in Schule und Freizeit. Begehrtestes Accessoire ist beispielsweise das Smartphone, damit man noch intensiver mit seiner Peer-Group via Social-Networking-Sites Kontakt halten kann. E-mails werden von den befragten Teenagern in den USA beinahe überhaupt nicht genutzt. Twitter wird ebenfalls nicht genutzt. Der Schutz der eigenen Privatsphäre ist unter Teenagern durchaus ein wichtiges Thema. Die befragten Teenager sind jedoch an Politik überhaupt nicht interessiert. Auch die Nachrichten verfolgen sie nicht gezielt. Selbstverständlich sind sie nicht in der Lage, die Vertrauenswürdigkeit von Websites einzuschätzen (auch wenn sie selbst - und anscheinend manche romantisierenden Fragesteller - anderer Meinung sind). Wenig fassbar und kaum begriffen scheint für die Wissenschaftler bislang das Phänomen des Sexting zu sein.

Samstag, 16. Mai 2009

Nationaler Geheimdienst kann oder darf nicht heimlich PC's abhören? Kein Problem: frag einfach anderen Geheimdienst in der EU

Organised crime cops seek international hacking powers: Euro-cops could offshore hacking work - to UK (The Register)

Zitat:

British law enforcement agents are quietly working with European counterparts on changes to national legislation that will allow them to share intelligence gained by hacking into suspects' PCs. [...]

The desired change could mean law enforcement officers in eastern Europe could ask SOCA to hack into a suspect's PC for them and share the data. (Quelle: TheRegister.co.uk)

Schon toll, diese EU, oder?

FDP-Parteitag: Mit uns gibt es keine Internetsperren

FDP lehnt Internet-Sperren ab - Mehrheitsbeschluss bei Parteitag (Futurezone.ORF.at)

Muss man mal eben festhalten. Um dann Ende des Jahres die FDP mit dieser Meldung unangenehm konfrontieren zu können.

Wie die West-Allierten über Jahrzehnte in riesigem Umfang die Telekommunikation und den Briefverkehr in Westdeutschland überwachten

Großer Lauschangriff im Kalten Krieg (Spiegel.de)

Wie die West-Alliierten in manchen Regionen West-Deutschlands den gesamten Briefverkehr über Jahrzehnte öffneten und mitlasen.

Zitat:

Deutsche Behörden leisteten bei der Zensur Handlangerdienste. Nach Angaben der Oberpostdirektion Regensburg wurde beinahe der gesamte Briefverkehr in ihrem Bezirk kontrolliert. Insgesamt händigten die Deutschen zwischen 1960 und 1967 nachweislich über 40 Millionen Postsendungen dem großen Bruder USA aus [...].

Auch in der französischen Zone wurde flächendeckend geschnüffelt. Es werde "die gesamte Post grundsätzlich den französischen Behörden zur Zensur zugeleitet", schrieb 1951 Heinrich von Brentano, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion an Kanzler Konrad Adenauer. Auch wisse er, "dass beispielsweise in Mainz die Landesregierung, der Landtag, die Gerichtsbehörden, die politischen Parteien, die konfessionellen Verbände, der Bauernverband, das Regierungspräsidium, die Verlage, die Bischöfliche Kanzlei, der Bischof selbst, eine Anzahl von Anwälten, Landtags- und Bundestagsabgeordneten, bestimmte Firmen und Zeitungen usw. dieser ständigen Kontrolle unterliegen". (Quelle: Spiegel.de)

Und es wurde nicht nur abgehört und mitgelesen, sondern auch unzählige Postsendungen wurden einfach aus dem Verkehr gezogen, sprich zensiert:
In den Unterlagen der US-Armee ist penibel vermerkt, in welchem Umfang Mitarbeiter deutscher Zoll- und Polizeidienststellen, der Bundesbahn und insbesondere der Post DDR-Flugblätter, Poster oder auch Filme für die US-Dienste abfingen. Allein im Kreis Coburg wog das innerhalb eines Monats beschlagnahmte Material Hunderte von Kilogramm. (Quelle: Spiegel.de)

Aber nicht nur die West-Alliierten zogen fleißig Tonnen von Briefpost einfach so aus dem Verkehr, nein auch deutsche Stellen filterten den Briefverkehr und zogen zwischen 1955 und 1968 ungefähr 100 Millionen Sendungen aus dem Verkehr - auf Grundlage des Gesetzes, das das Verbreiten von Schriften verbot, "die darauf gerichtet sind, den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu beeinträchtigen".

Dieses Gesetz hielt ich bislang immer für einen "Papiertiger". Denn damit dieses Gesetz umfangreichen Schaden anrichtet, müssten ja große Teile des Briefverkehrs geöffnet und überwacht werden. Das hielt ich bislang für undenkbar. Ich habe mich geirrt.

In Hannover mussten Strafgefangene schließlich in den Kellern von Haftanstalten die Ausbeute an SED-Broschüren, Ausgaben des "Neuen Deutschland" oder Massendrucksachen aus der DDR in den Reißwolf stopfen. (Quelle: Spiegel.de)

Und ich habe mich als Kind immer darüber lustig gemacht, wie die DDR-Grenzer uns Westdeutsche an der Grenze filzten und solch harmlosen Schund wie das Magazin "Stern" oder auf die Reise mitgenommene Ausgaben der Lokalzeitung konfiszierten.

Aber so ist das immer mit dem Filtern der Kommunikation: Die Überwacher werden immer übers Ziel hinausschießen. Das, was im Gesetz als Ausnahme gestattet ist, wird immer zum Regelfall werden. Die Eskalation von Überwachung und Filterung ist systemimmanent, weil von einem Zensor immer die Gefahr, etwas Gefährliches zu übersehen, als schlimmer eingeschätzt wird als die Gefahr, etwas Ungefährliches fälschlicherweise zu filtern und zu zensieren. So wird immer mehr Ungefährliches gefiltert. Die im Gesetz festgelegten Ausnahmefälle, in denen gefiltert werden darf, werden in der Praxis immer mehr ausgeweitet. Genauso würde sich das auch bei einer Internetzensur entwickeln. Das ist unabhängig davon, ob mit der Filterung und Zensur besonders vertrauenswürdige Menschen oder Dienste beauftragt werden. Es liegt einfach in der Natur eines wie auch immer gearteten Filter- und Zensursystems.

Seit 1968 ist den Alliierten das Belauschen und Überwachen und Filtern des Briefverkehrs verboten, weil danach die deutschen Dienste diese Aufgabe übernommen haben. Und wer die Natur von Geheimdiensten erahnt (siehe meine Ausführung dazu oben), der erahnt auch, dass diese niemals weniger bespitzeln, sondern immer mehr. Man kann also davon ausgehen, dass weiterhin große Teile des Briefverkehrs aller Deutschen intensiv überwacht werden. Ganz zu schweigen von den zahlreichen "illegalen" Aktivitäten ausländischer Geheimdienste.

Es ist vernünftiger anzunehmen, dass jede Wohnung in Deutschland und jedes Telefon und jeder Brief von irgendeinem inländischen oder ausländischen Dienst teilweise überwacht wird, als anzunehmen, dass man nicht überwacht wird. Es ist ein Leichtes, unbemerkt mit dem entsprechenden Werkzeug und Können innerhalb weniger Minuten, ja Sekunden in Wohnungen einzudringen und dort beispielsweise Abhörgeräte anzubringen oder Keylogger auf oder an Computern zu installieren. Das Öffnen von Briefen scheint ja auch unbemerkt zu funktionieren.

Somit gibt es letztlich nur eine Form der Kommunikation, die schwer abzuhören ist: Das Versenden von verschlüsselten E-mails von einem gut gesicherten (Festplattenverschlüsselung etc.) Laptop aus, das man möglichst immer bei sich haben sollte (um die Gefahr des unbemerkten Anbringens von Hardware-Keyloggern zu minimieren). Allerdings müsste die Empfängerseite ebenfalls derartig vorsichtig mit ihrem Laptop umgehen.

Es zeigt sich also erneut: Mit technischen Mitteln kann man sich kaum gegen illegales Abhören, Beobachten und Filtern wehren. Der einzige Weg, die Freiheitsrechte zu schützen, ist der politische Weg, beispielsweise die rigide öffentliche Kontrolle von Geheimdiensten und Exekutivorganen und das umfangreiche Einstampfen ihrer Befugnisse. Das würde allerdings beispielsweise die Wiederherstellung der Unabhängigkeit der Legislative voraussetzen und somit eine grundlegende Reform der derzeitigen Parteiendemokratie.

Neue Dimension in Telekom-Spitzelaffäre: Telekom soll Verbindungsdaten von Kunden auch an Lufthansa weitergegeben haben

Telekom-Affäre: Zumwinkel und Ricke frühzeitig über Spitzeleien informiert (Spiegel.de)

Zumwinkel und Ricke sollen bereits im Herbst 2005 von der Verwendung und Auswertung von Verbindungsdaten von Telekom-Kunden zur Bespitzelung gewusst haben.

In der Spiegel.de-Meldung steckt aber noch eine kleine Information, die die Telekom-Affäre noch einmal in eine gänzlich neue Dimension des Datenmissbrauchs katapultiert:

Zitat:

Außerdem soll die Telekom im Jahr 2000 auch Verbindungsdaten an die Lufthansa geliefert haben, mit denen ein Kontakt zwischen einem Aufsichtsrat der Fluggesellschaft und einem Journalisten belegt werden sollte. (Quelle: Spiegel.de)

Die Telekom könnte also die ihr anvertrauten, empfindlichen Verbindungsdaten ihrer zahlenden Kundschaft auch an andere Unternehmen weitergegeben haben. Wohlgemerkt: Nicht einfach nur Adressdaten von Kunden, sondern Daten über intimste Bereiche des Lebens der Telekomkunden, nämlich wann Kunden mit wem wie lange und wie oft und eventuell sogar von wo aus telefoniert haben.

Nachtrag: Die Lufthansa dementiert entschieden, Daten von der Telekom angefordert oder erhalten zu haben: Lufthansa dementiert Daten-Deal mit Telekom (Heise.de)

Bleibt die Frage, woher die Idee kommt, die Telekom habe doch Verbindungsdaten von Telekom-Kunden an die Lufthansa geliefert. Hat da jemand einfach halluziniert? Unwahrscheinlich.

Freitag, 15. Mai 2009

Heute.de berichtet online ausführlich über Kritik an Internetzensur-Plänen von SPD und Union

(Via FixMBR.de) Kinderpornografie: Täter verfolgen statt Seiten sperren - Harte Kritik an geplanter Sperrung kinderpornografischer Webseiten (Heute.de)

Ein überraschend guter Artikel, der noch einmal ausführlich und detailliert die Kritik an den Internetzensur-Plänen der Bundesregierung darstellt.

Wenn sogar schon die (meiner Meinung nach regierungsnahe) Heute-Sendung des ZDF ausführlich und vor allem nicht verfälschend die Kritik an dem Gesetzesvorhaben von SPD und Union darstellt, besteht vielleicht doch Hoffnung, dass endlich mal ein gefährliches Gesetz noch vor der Verabschiedung durch den Bundestag gestoppt werden kann und nicht erst Jahre später durch das Bundesverfassungsgericht entschärft werden muss.

Zitat:

"Die Erzeuger harter Kinderpornografie beliefern ihre zahlenden Kunden in der Regel über den Postweg", zitiert die IT-Fachzeitschrift c't einen auf die Verfolgung von Kinderpornografie spezialisierten Ermittler des LKA Niedersachsen. [...]

Der Grund liegt auf der Hand, sagt Alvar Freude vom Förderverein Informationstechnik und Gesellschaft (FITUG). Der Betrieb eines sperrbaren Webservers sei für die Anbieter von Kinderpornos viel zu gefährlich. [...]

Wie einfach es sein kann, Kinderpornos aus dem Netz zu tilgen, bewies Anfang März die Kinderschutzorganisation CareChild. Sie suchte sich aus einer im Internet aufgetauchten dänischen Sperrliste zwanzig Webadressen aus den USA, den Niederlanden, Südkorea, Portugal und England heraus, ermittelte die Provider und schrieb sie per E-Mail mit der Bitte an, die fraglichen Inhalte zu entfernen. Die Provider reagierten zügig. Bereits nach einem Tag waren sechzehn Webseiten abgeschaltet. [...]

"Die Misshandlung von Kindern vollzieht sich vorrangig im familiären Umfeld", sagt Lutz Donnerhacke. "Statt die Täter durch Wegschauen zu schützen, müssen Taten verhindert werden." Doch den Familien, den Präventionsprogrammen und den Strafverfolgungsbehörden fehle das dafür nötige Geld. (Quelle: Heute.de)

Netzsperren gegen Kinderpornografie: Die abstrusen Fantasien und falschen Zahlen der Frau von der Leyen

Netzsperren: Von der Leyens unseriöse Argumentation (Zeit.de)

Schön, dass Zeit.de die von Lutz Donnerhacke erarbeitete Kritik einem breiteren Publikum zugänglich macht. Donnerhacke zeigt detalliert auf, wie Frau von der Leyen wieder einmal mit völlig falschen Zahlen hantierte und abstruse Fantasien statt Argumente heranzog, um die geplante Internetzensur als wirksames Mittel gegen Kinderpornografie zu verkaufen.

Zitat:

Es wird dabei von einer Art Suchtwirkung ausgegangen, für die es ebenfalls keine Belege gibt. Kriminologe Henning Ernst Müller hält die Anfixthese gar für "eine Art kriminologische Phantasie" der Ministerin Ursula von der Leyen.

Auch die immer wieder zitierten Zahlen zu den Straftaten sind Unsinn. [...]

Der Anstieg bei der Zahl der sogenannten Verschaffungsdelikte erklärt sich anders. Er ist vor allem darauf zurückzuführen, dass es inzwischen viel mehr Ermittlungen in dem Bereich gibt. [...]

Ein weiteres Argument der Bundesregierung für Internetsperren lautet: "Kinderpornografie wird über kommerzielle Webseiten vertrieben, die Millionen umsetzen". Dabei wird unter anderem auf eine britische Studie verwiesen. Diese zeigt aber gerade, dass kommerzielle Pornoproduktionen fast immer im legalen Bereich agieren und minderjährige Akteure praktisch nie auftreten. (Quelle: Zeit.de)

Bleibt die Frage, warum es in den etablierten Medien bislang nicht solch eine detaillierte Kritik an der geplanten Netzzensur und an den Aussagen der Bundesregierung gab.

ZDF-Heute-Redaktion produziert irritierenden "Werbe-Beitrag" für die EU

(Via Kommentar in Schieflage) Wichtige Hinweise vom ZDF zur Europawahl (FRGzchn bLOg)

Das FRGchn-Blog präsentiert ein beachtenswertes Fundstück: einen Beitrag des ZDF, mit dem die ZDF-Heute-Redaktion für die EU wirbt. Dem ZDF-Beitrag fehlen fast jede sachlichen Argumente. Stattdessen werden dem Zuschauer - untermalt mit (vermutlich) Schrecken und Angst auslösender Musik und mit (vermutlich) Schrecken und Angst auslösenden "gruseligen" Videoeffekten - Mutmaßungen präsentiert, wie die Welt heute ohne EU aussehen würde. Dass beispielsweise ohne EU ein Hartz-IV-Empfänger sich kein Obst oder Gemüse leisten könne, weil dieses ohne EU doppelt so teuer wäre wie heute. Ja, wirklich. Warum das so sein könnte oder wie man auf solch eine krude Idee kommen kann, das wird nicht weiter erläutert.

Mit "Information" hat der ZDF-Beitrag nichts zu tun. Mit was also dann? Man wagt das Wort kaum in den Mund zu nehmen, aber doch, ja, ich tue es: Propaganda. Und dazu noch billige. So billig und schlecht gemacht, dass vermutlich selbst der überzeugteste EU-Enthusiast beim Ansehen des ZDF-Beitrages anfangen dürfte, skeptisch zu werden. Denn etwas, was eine derart abstruse Propaganda benötigt, kann nicht ganz koscher sein.

Auch könnte man sich fragen, welches Bild das ZDF von seinen Zuschauern hat, wenn es sich traut, derartigen Schrott zu senden.

ARD-Ehrenamt-Kampagne als Ablenkung von Verfehlungen der Sozialpolitik

ARD: Wem nutzt die TV-Kampagne für das Ehrenamt? (Zeit.de)

Der ZEIT-Artikel stellt die richtigen Fragen.

Zitat:

Überall, wo das Auge hinfällt, wird das Ehrenamt gepriesen und dem trägen Bürger wärmstens anempfohlen. [...]

Wer Ehrenamt sagt, meint eigentlich Caritas. [...]

Das hat etwas Hilfloses, auch sachte Unredliches. Die Kampagne bereitet für den Fall, dass sie nicht greift, schon den Umkehrschluss vor: Der Bürger, der die Folgen der Wirtschaftskrise nicht lindern kann, ist selbst daran schuld. Hätte er doch ein Ehrenamt ergriffen! Hätte er doch die Armen gespeist, die Arbeitslosen getröstet, den streunenden Jugendlichen Lesen und Schreiben beigebracht! Die Verantwortung für das scheiternde Ganze soll beizeiten dem Einzelnen angelastet werden. (Quelle: Zeit.de)

Wiefelspütz hat sich beim Paintball-(Verbots-)Spielen verrannt

Waffenrecht: Koalition zieht Paintball-Verbot zurück (Zeit.de)

Zitat:

"Da haben wir uns vielleicht verrannt", begründete der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dieter Wiefelspütz, am Donnerstag den überraschenden Rückzieher im Gespräch mit ZEIT ONLINE. [...]

"Ich selbst habe meine Meinung nicht geändert", sagte Wiefelspütz. Er sei der Auffassung, dass es sich bei Paintball um ein sittenwidriges Spiel handele. "Meinen Kindern würde ich das nicht erlauben". Sein persönliches Empfinden könne aber natürlich nicht Grundlage eines Gesetzes sein. (Quelle: Zeit.de)

Herr Dr. Wiefelspütz ist ja auch erst seit kurzer Zeit im Bundestag als Gesetzgeber tätig. Es ist also vermutlich schlicht ein Anfängerfehler von ihm, anzunehmen, man könne der Bevölkerung ohne gründliche sachliche Prüfung neue Gesetze zumuten. Und unsere Bundestagsabgeordneten stehen ja auch ziemlich alleine da: keine Experten weit und breit in erreichbarer Nähe, die man mal fragen könnte...

Wer's nicht gemerkt hat: Der gesamte letzte Absatz von mir war ironisch gemeint.

Großbritannien setzt bei Verbrecherjagd jetzt auf Voodoo-Puppen: Lügenhafte Lügendetektoren

Lügendetektoren: Britische Jagd auf Sozialbetrüger (Zeit.de)

Der Aberglaube an die Allmacht technischer Geräte zur Vorbeugung von ungesetzlichem Verhalten scheint nirgends so groß zu wie in Großbritannien. Für Technikkrams scheint immer Geld da zu sein, auch wenn das Zeug bei näherer Betrachtung nicht anders wirkt als die berühmten Voodoo-Puppen, in die man Nadeln steckt, um jemandem zu schaden.

Zitat:

Einige Behörden schalten neuerdings einen sogenannten Voice-Risk-Analyser hinzu, wenn sie mit ihren Kunden telefonieren. [...]

Nach Angabe der Herstellerfirma Nemesysco kann die patentierte Technik anhand der Stimme Hirnaktivitäten bemerken, die auf Stress hindeuten. Dabei dient eine Stimmprobe vom Anfang des Gesprächs als Vergleichsmaß.

Kompletter Unsinn, sagen die beiden skandinavischen Forscher Francisco Lacerda und Anders Eriksson. Sie untersuchten das Verfahren und die dazu gehörende Software und kamen zu dem Schluss: Anstatt den Detektor entscheiden zu lassen, welcher Anrufer möglicherweise falsche Angaben gemacht hat, könne man genauso gut eine Münze werfen. (Quelle: Zeit.de)

Die Herstellerfirma des im Volksmund als "Lügendetektor" bezeichneten elektronischen Schrotts drohte dem kleinen Verlag, in dessen Magazin die Wissenschaftler ihre Kritik veröffentlicht hatten, natürlich mit juristischen Mitteln.

Bruce Schneier schrieb kürzlich erst über den gleichen Fall und kam zu folgendem, treffendem Urteil:
Most of the lie detector industry is based on, well, lies. (Quelle: Schneier.com)

Montag, 11. Mai 2009

3Sat desinformiert über Google und "Open Access": Unkritische Übernahme des "Heidelberger Appells" in "Kulturzeit"

Das Ende des Urheberrechts? - Google und die Digitalisierung (3Sat.de, Sendung "Kulturzeit")

Die Sendung "Kulturzeit" desinformiert ganz bewusst und schmeißt das Vorgehen Googles und das Konzept des "Open Access" in einen Topf. "Kulturzeit" macht sich also zum unkritischen Sprachrohr einiger Urheberrechts-Radikalisten der deutschen Kulturszene, die in ihrem ekelhaft lügnerischen "Heidelberger Appell" genau auch diese Desinformation verbreiten.

Zitat:

Es ist wie beim Rennen zwischen Hase und Igel: Google ist immer schon einen Schritt weiter. Ein nimmersatter Marktmonopolist, hungrig nach dem Wissen der Welt. Google scannt Millionen von Büchern ein und stellt sie frei verfügbar ins Internet - meist ohne die Einwilligung von Autoren und Verlagen. Open Access nennt sich das. Die Digitalisierung bedroht das geistige Eigentum. (Quelle: 3Sat.de)

Der hier verlinkte Artikel bei 3Sat.de beinhaltet längst nicht den gesamten Inhalt des im Fernsehen gesendeten Beitrags. Im Fernsehbeitrag und in einem anschließenden Interview mit einem Urheberrechtsexperten wurden die Desinformationen noch weiter getrieben. Mit keinem Wort wurden so auch beispielsweise Details des Vorgehens von Google erläutert. Über das Phänomen der "verwaisten Werke" beispielsweise wurde nichts gesagt.

Man darf eben nicht vergessen: Das Fernsehen hasst das Internet. Das Fernsehen ist der Urfeind des Internets. Fernsehen steht für Bevormundung und Meinungsmonopole und Wirtschaftsmonopole. Fernsehen steht für Lobbyismus und Einflussnahme und Desinformation. Das Fernsehen ist das Paradebeispiel eines unfreien Mediums, bei dem oben, unerreichbar für die Masse, wenige stehen, die ihre Sicht der Welt nach unten hin in einem Monolog kommunizieren. Das Fernsehen ist undurchlässig und intransparent. Fernsehen steht für Volksverdummung. Man sollte anfangen über ein Verbot des Fernsehens nachzudenken. Der Schaden des Fernsehens ist gesellschaftspolitisch betrachtet vermutlich wesentlich größer als der Nutzen des Fernsehens.